Warum ist es gefährlich, mehrere Steckdosenleisten hintereinanderzuschalten (Kaskadierung)?

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Das Hintereinanderschalten von Steckdosenleisten (im Fachjargon Kaskadierung genannt) ist gefährlich und in der Regel durch Sicherheitsnormen (wie die VDE-Vorschriften in Deutschland) sowie durch die Herstellerhinweise verboten.

Hier sind die vier Hauptgründe, warum dies ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellt:

1. Überlastungsgefahr (Brandgefahr)

Jede Steckdosenleiste ist für eine bestimmte maximale Gesamtleistung ausgelegt – meistens 3.500 bis 3.680 Watt (entspricht 16 Ampere bei 230 Volt). Wenn man mehrere Leisten hintereinanderschaltet, verführt das dazu, viel mehr Geräte anzuschließen, als die erste Leiste (die in der Wand steckt) bewältigen kann. Die gesamte Last aller angeschlossenen Geräte fließt durch das erste Kabel. Wird die zulässige Wattzahl überschritten, erhitzt sich das Kabel massiv, was zu einem Kabelbrand führen kann.

2. Erhöhter Übergangswiderstand

Jede Steckverbindung (Stecker in Dose) erzeugt einen sogenannten Übergangswiderstand.

  • Bei einer Kaskadierung addieren sich diese Widerstände.
  • An jedem Widerstand entsteht Wärme.
  • Je mehr Leisten zwischengeschaltet sind, desto heißer können die Kontaktstellen werden. Dies kann dazu führen, dass das Gehäuse schmilzt oder sich entzündet, selbst wenn die maximale Wattzahl noch nicht ganz erreicht ist.

3. Versagen der Schutzeinrichtungen (Sicherung löst nicht aus)

Dies ist die technisch subtilste, aber gefährlichste Ursache. Damit die Sicherung (Leitungsschutzschalter) im Kurzschlussfall sofort auslöst, muss ein sehr hoher Strom fließen können.

  • Durch die langen Kabelwege und die vielen Kontaktstellen bei einer Kaskadierung erhöht sich der Schleifenwiderstand (Impedanz).
  • Im Falle eines Kurzschlusses am Ende der Kette wird der Stromfluss durch diesen hohen Widerstand gebremst.
  • Die Sicherung „denkt“ unter Umständen, es handele sich nur um einen normalen Verbraucher, und löst nicht oder zu spät aus. In der Zwischenzeit glühen die Kabel bereits.

4. Mechanische Instabilität und Wärmestau

Steckdosenleisten sind oft nicht dafür ausgelegt, lose herumzuliegen oder unter Möbeln begraben zu werden. Durch das Aneinanderreihen entstehen oft unübersichtliche „Kabelknäuel“. Wenn diese Leisten dann noch unter Teppichen oder hinter Schränken liegen, kann die entstehende Wärme nicht abgeführt werden, was das Brandrisiko weiter erhöht.


Was sollte man stattdessen tun?

  1. Größere Steckdosenleiste kaufen: Wenn Sie acht Steckplätze brauchen, kaufen Sie eine zertifizierte 8-fach-Leiste, statt zwei 4-fach-Leisten zu koppeln.
  2. Festinstallierte Steckdosen: Lassen Sie bei dauerhaftem Bedarf von einem Elektriker zusätzliche Wandsteckdosen installieren.
  3. Leistungsstarke Geräte direkt in die Wand: Geräte mit hohem Stromverbrauch (Waschmaschine, Wasserkocher, Heizlüfter, Geschirrspüler) sollten niemals an einer Steckdosenleiste betrieben werden, sondern immer direkt an einer Wandsteckdose.

Wichtiger Hinweis: Achten Sie auf den Aufdruck auf der Rückseite der Steckdosenleiste. Dort steht fast immer: "Nicht hintereinander stecken!" Im Falle eines Brandes kann die Versicherung die Zahlung verweigern, wenn grobe Fahrlässigkeit durch Kaskadierung vorliegt.