Warum ist die korrosionsschützende Wirkung von Kriechöl meist nur von kurzer Dauer?
Die korrosionsschützende Wirkung von Kriechöl (wie z. B. WD-40 Classic, Caramba oder ähnliche Produkte) ist aus mehreren physikalischen und chemischen Gründen meist nicht von Dauer. Hier sind die Hauptursachen:
1. Geringe Viskosität und dünne Schichtdicke
Kriechöl ist darauf optimiert, in kleinste Zwischenräume einzudringen (Kapillareffekt). Dafür muss es extrem dünnflüssig sein. Das bedeutet jedoch auch, dass der verbleibende Schutzfilm nach dem Auftragen extrem dünn ist. Ein dünner Film bietet mechanischen Einflüssen (Reibung) und Umwelteinflüssen (Regen, Luftfeuchtigkeit) kaum Widerstand und wird schnell abgetragen.
2. Hoher Anteil an Lösungsmitteln
Die meisten Kriechöle bestehen zu einem großen Teil aus flüchtigen Lösungsmitteln. Diese dienen dazu, das Öl flüssig zu halten und die Kriechfähigkeit zu erhöhen. Nach der Anwendung verdunsten diese Lösungsmittel. Zurück bleibt nur eine sehr geringe Menge an eigentlichem Schmier- oder Schutzstoff, der zudem oft nicht dafür ausgelegt ist, eine dauerhafte Barriere gegen Sauerstoff und Feuchtigkeit zu bilden.
3. Mangelnde Beständigkeit gegen Abwaschen
Da Kriechöle keine stark haftenden Zusätze (wie Haftfette oder Wachse) enthalten, sind sie nicht wasserfest. Spritzwasser oder sogar eine hohe Luftfeuchtigkeit können den dünnen Ölfilm relativ leicht emulgieren oder mechanisch von der Oberfläche spülen.
4. Verflüchtigung (Evaporation)
Die chemischen Bestandteile vieler Kriechöle sind relativ leichtflüchtig. Das bedeutet, dass das Öl mit der Zeit schlichtweg „verdunstet“, selbst wenn es nicht abgewaschen wird. Im Gegensatz zu zähen Langzeit-Korrosionsschutzfetten oder -wachsen bleibt bei Kriechöl nach einigen Wochen oft kein nennenswerter Schutzfilm mehr auf der Metalloberfläche zurück.
5. „Reinigungseffekt“ vs. Schutz
Kriechöle haben oft eine stark reinigende Wirkung und lösen vorhandene Fette und Harze auf. Wenn man ein Bauteil mit Kriechöl behandelt, entfernt man oft den bereits vorhandenen (vielleicht schmutzigen, aber schützenden) Fettfilm. Sobald das Kriechöl verflogen ist, liegt das Metall völlig blank und ungeschützt da, was die Korrosion sogar beschleunigen kann, wenn nicht mit einem Langzeitschutz nachgearbeitet wird.
Fazit und Empfehlung
Kriechöl ist ein hervorragendes Werkzeug zum Lösen von verrosteten Schrauben oder zum kurzzeitigen Verdrängen von Feuchtigkeit.
Für einen dauerhaften Korrosionsschutz sind andere Mittel deutlich besser geeignet:
- Korrosionsschutzwachse: Bilden eine feste, dicke Schutzschicht.
- Fette (z. B. Seilfett oder spezielle Anti-Korrosionsfette): Bleiben dauerhaft zähflüssig und haften extrem stark.
- Haftschmierstoffe: Diese kombinieren Kriechfähigkeit beim Aufsprühen mit starker Haftung nach dem Verflüchtigen des Treibmittels.