Warum ist das Abschleppen mit einem Seil bei Fahrzeugen mit Automatikgetriebe oft problematisch?
Das Abschleppen von Fahrzeugen mit Automatikgetriebe (insbesondere mit herkömmlichen Wandlerautomatiken oder Doppelkupplungsgetrieben) ist deshalb problematisch, weil die Schmierung und Kühlung des Getriebes bei ausgeschaltetem Motor meist nicht gewährleistet ist.
Hier sind die Details, warum das gefährlich für die Technik sein kann:
1. Fehlende Schmierung durch die Ölpumpe
Der wichtigste Grund ist die Ölversorgung. Bei fast allen Automatikgetrieben wird die Ölpumpe direkt vom Motor (über die Eingangswelle) angetrieben.
- Beim Abschleppen: Der Motor steht still, also arbeitet die Ölpumpe nicht.
- Die Folge: Die Räder drehen sich jedoch und bewegen Teile im Getriebe mit. Da kein Öl zirkuliert, reiben Metallteile ohne schützenden Schmierfilm aufeinander. Das führt schnell zu extremem Verschleiß.
2. Überhitzung
Das Getriebeöl dient nicht nur der Schmierung, sondern auch dem Abtransport von Wärme. Da beim Abschleppen kein Öl durch den Getriebeölkühler fließt, staut sich die durch Reibung entstehende Hitze im Getriebe. Da Automatikgetriebe sehr feingliedrige Bauteile und Lamellenkupplungen enthalten, können diese durch die Hitze innerhalb kurzer Zeit irreparabel beschädigt werden.
3. Mechanische Verbindung (Parksperre/Neutral)
Man darf ein Automatikfahrzeug niemals in der Stellung „P“ (Parken) abschleppen, da hierbei ein mechanischer Bolzen das Getriebe blockiert. Dieser würde sofort brechen oder das Getriebe zerstören. Aber selbst in Stellung „N“ (Neutral) sind – wie oben erwähnt – viele Teile im Getriebe in Bewegung, ohne dass die Schmierung aktiv ist.
Die "Faustregel" für den Notfall
Wenn man ein Automatikauto dennoch mit einem Seil oder einer Stange abschleppen muss, gibt es eine gängige Faustregel, um Schäden zu minimieren (sofern der Hersteller es im Handbuch nicht strikt untersagt):
- Wählhebel auf "N" (Neutral).
- Maximal 50 km/h Geschwindigkeit.
- Maximal 50 km weit (oft wird sogar zu deutlich kürzeren Strecken geraten, z.B. nur bis zur nächsten Werkstatt).
Besonderheiten bei anderen Antriebsarten:
- Allradfahrzeuge (4x4): Hier ist das Abschleppen oft noch kritischer, da zusätzlich Verteilergetriebe und Differentiale beschädigt werden können. Diese Fahrzeuge müssen oft komplett verladen werden (alle vier Räder in der Luft).
- Elektroautos: Auch hier ist Vorsicht geboten. Die Elektromotoren wirken beim Rollen oft wie Generatoren (Rekuperation). Wenn die Elektronik nicht auf „Abschleppmodus“ steht, kann die entstehende Energie die Leistungselektronik oder den Akku beschädigen.
Fazit
Um ein teures Automatikgetriebe nicht zu zerstören, sollte man:
- Zuerst ins Bordbuch (Betriebsanleitung) schauen.
- Im Zweifelsfall einen Abschleppwagen mit Plateau rufen, bei dem das Fahrzeug komplett aufgeladen wird, anstatt es auf der eigenen Achse zu ziehen.