Warum ist bei Metallbohrern oft eine Kühlung während des Bohrvorgangs nötig?
Das Kühlen (und Schmieren) beim Bohren von Metall ist aus mehreren physikalischen und technischen Gründen entscheidend. Die Hauptursache ist die enorme Reibung, die entsteht, wenn die Schneiden des Bohrers mit hoher Geschwindigkeit auf das harte Metall treffen.
Hier sind die wichtigsten Gründe im Detail:
1. Schutz des Werkzeugs (Vermeidung von Härteverlust)
Metallbohrer bestehen meist aus HSS (Schnellarbeitsstahl) oder Hartmetall. Diese Materialien sind so gehärtet, dass sie Metall schneiden können.
- Das Problem: Wenn der Bohrer durch Reibung zu heiß wird (bei HSS ab ca. 550–600 °C), verliert der Stahl seine Härte (er „glüht aus“).
- Die Folge: Der Bohrer wird weich, die Schneidkanten werden stumpf und das Werkzeug ist unbrauchbar. Kühlung hält die Temperatur unter diesem kritischen Punkt und verlängert die Standzeit (Lebensdauer) des Bohrers massiv.
2. Verringerung der Reibung (Schmierwirkung)
Kühlmittel für Metall (oft eine Emulsion aus Öl und Wasser, auch „Bohrermilch“ genannt) dient gleichzeitig als Schmiermittel.
- Es reduziert den Widerstand zwischen der Bohrerschneide und dem Werkstück sowie zwischen den abfließenden Spänen und der Bohrer-Nut.
- Weniger Reibung bedeutet weniger Wärmeentwicklung von vornherein.
3. Abtransport der Späne
Beim Bohren entstehen Metallspäne, die aus dem Bohrloch herausbefördert werden müssen.
- Der Flüssigkeitsstrom des Kühlmittels hilft dabei, die Späne aus der Spirale des Bohrers zu schwemmen.
- Ohne Kühlung können heiße Späne mit dem Bohrer oder der Bohrungswand verkleben oder verschweißen (besonders bei Aluminium oder Edelstahl), was zum Blockieren und Abbrechen des Bohrers führen kann.
4. Maßhaltigkeit und Oberflächengüte
- Maßhaltigkeit: Metall dehnt sich bei Hitze aus. Wenn das Werkstück während des Bohrens sehr heiß wird, zieht sich das Loch nach dem Abkühlen leicht zusammen. Das Loch ist dann kleiner als geplant. Kühlung sorgt dafür, dass das Material maßhaltig bleibt.
- Oberflächengüte: Durch die Schmierung und den besseren Spanabfluss wird die Innenwand der Bohrung glatter und sauberer.
5. Schutz des Werkstücks
Einige Metalle neigen zur Kaltverfestigung, wenn sie zu heiß werden (z. B. Edelstahl). Wenn man ohne Kühlung bohrt, wird das Material an der Bohrstelle so hart, dass der Bohrer gar nicht mehr eindringen kann. Zudem können Gefügeveränderungen oder Anlassfarben (Verfärbungen) am Werkstück entstehen, die oft unerwünscht sind.
Zusammenfassung: Wann ist Kühlung besonders wichtig?
- Bei harten Materialien: Edelstahl (V2A/V4A) benötigt zwingend Kühlung und langsame Drehzahlen.
- Bei tiefen Löchern: Je tiefer das Loch, desto schwieriger kommen die Späne raus und desto mehr Hitze staut sich.
- Bei großen Durchmessern: Hier entstehen durch die hohen Schnittgeschwindigkeiten an der Außenkante des Bohrers enorme Temperaturen.
Profi-Tipp: Wenn du zu Hause bohrst und kein spezielles Kühlmittel hast, hilft bei Stahl oft schon ein Tropfen Universalöl oder Schneidöl. Bei Aluminium kann sogar Spiritus als Kühlmittel dienen (Vorsicht: leicht entflammbar!). Bei einfachem Baustahl und dünnen Blechen kann man oft trocken bohren, sollte den Bohrer aber zwischendurch abkühlen lassen.