Warum ist Beef Jerky bereits seit den 1990er-Jahren ein fester Bestandteil der Verpflegung von Astronauten im Weltraum?
Beef Jerky (Trockenfleisch) ist aus mehreren praktischen, ernährungsphysiologischen und sogar psychologischen Gründen seit den 1990er-Jahren ein Standardproviant für Astronauten, insbesondere auf den Space-Shuttle-Missionen und der Internationalen Raumstation (ISS).
Hier sind die Hauptgründe für den Erfolg von Beef Jerky im Weltraum:
1. Geringes Gewicht und Volumen
Im Weltraum zählt jedes Gramm. Da Beef Jerky durch Trocknung der Großteil des Wassers entzogen wurde, ist es extrem leicht und kompakt. Es bietet eine hohe Nährstoffdichte bei minimalem Gewicht, was die Treibstoffkosten für den Transport reduziert.
2. Lange Haltbarkeit ohne Kühlung
In Raumschiffen ist der Platz für Kühlschränke begrenzt und wird meist für wissenschaftliche Proben genutzt. Beef Jerky ist durch den niedrigen Feuchtigkeitsgehalt und den Salzgehalt über Monate oder sogar Jahre bei Raumtemperatur haltbar, ohne zu verderben.
3. Keine Krümelbildung (Sicherheitsaspekt)
Dies ist einer der wichtigsten Gründe. In der Schwerelosigkeit sind Krümel lebensgefährlich: Sie können in die Augen oder Lungen der Astronauten schweben oder empfindliche Elektronik und Belüftungssysteme beschädigen. Beef Jerky hat eine zähe, faserige Konsistenz, die beim Abbeißen nicht zerbröselt.
4. Hoher Proteingehalt
Astronauten leiden im Weltraum unter Muskelschwund und Knochendichte-Verlust. Eine proteinreiche Ernährung ist essenziell, um dem entgegenzuwirken. Beef Jerky liefert hochwertiges Eiweiß, das für den Erhalt der Muskelmasse wichtig ist.
5. Geschmackserlebnis bei „Space Sniffles“
In der Schwerelosigkeit steigen die Körperflüssigkeiten in den Oberkörper und Kopf (Fluid Shift). Das führt dazu, dass Astronauten oft eine verstopfte Nase haben und ihr Geschmackssinn stark beeinträchtigt ist – ähnlich wie bei einer starken Erkältung. Beef Jerky ist intensiv gewürzt, salzig und rauchig. Dieser kräftige Geschmack ist für Astronauten auch dann noch wahrnehmbar, wenn anderes Essen fad schmeckt.
6. Psychologischer Faktor und Kaugefühl
Die meiste Weltraumnahrung ist breiig oder muss mit Wasser rehydriert werden. Beef Jerky bietet einen „Biss“ und eine Textur, die dem Essen auf der Erde nahekommt. Das Kauen von festem Fleisch gibt den Astronauten ein Gefühl von Normalität und hilft gegen die kulinarische Monotonie, was für die psychische Gesundheit bei langen Missionen wichtig ist.
Ein prominentes Beispiel:
Besonders bekannt wurde die Vorliebe für Beef Jerky durch die Astronautin Shannon Lucid, die 1996 während ihres 188-tägigen Aufenthalts auf der russischen Raumstation Mir nach mehr Beef Jerky verlangte. Als ein Versorgungsschiff eintraf, war Beef Jerky einer ihrer sehnlichsten Wünsche, was das Produkt endgültig in den Status eines „Must-haves“ für Langzeitmissionen hob.
Heute wird das Beef Jerky für die NASA oft speziell mit weniger Feuchtigkeit und einer genau kontrollierten Gewürzmischung hergestellt, um den strengen Sicherheits- und Gesundheitsstandards im All zu entsprechen.