Warum hört man bei In-Ear-Kopfhörern oft die eigenen Schritte oder Atemgeräusche verstärkt?

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Dieses Phänomen wird in der Akustik und Audiologie als Okklusionseffekt (Verschlusseffekt) bezeichnet.

Hier ist die einfache Erklärung, warum das passiert:

1. Der abgeschlossene Hohlraum

In-Ear-Kopfhörer funktionieren wie ein Korken: Sie dichten den Gehörgang luftdicht ab. Dadurch verwandeln sie deinen Gehörgang in eine geschlossene Kammer.

2. Körperschall statt Luftschall

Normalerweise hörst du Geräusche, die durch die Luft an dein Ohr dringen. Deine eigenen Schritte, deine Atmung oder das Kauen erzeugen jedoch Vibrationen direkt in deinem Körper (Körperschall). Diese Vibrationen wandern durch deine Knochen und Gewebe bis zum Kiefergelenk und zum Knorpel deines Gehörgangs.

3. Die Resonanzkammer

  • Ohne Kopfhörer: Wenn du gehst oder atmest, treten die Vibrationen im Gehörgang als Schallwellen aus dem Ohr aus. Du nimmst sie kaum wahr.
  • Mit In-Ears: Da der Gehörgang verschlossen ist, können die Schallwellen nicht entweichen. Sie werden an dem Kopfhörer-Stöpsel reflektiert und zurück zum Trommelfell geworfen. Da der Raum so klein ist, verstärken sich besonders die tiefen Frequenzen (Bässe) massiv. Das Ergebnis ist ein dumpfes, dröhnendes Geräusch bei jedem Schritt.

Ein weiterer Faktor: Das Kabel (Mikrofonie)

Bei kabelgebundenen In-Ears kommt oft noch die Mikrofonie hinzu. Wenn das Kabel an deiner Kleidung reibt, überträgt sich diese mechanische Schwingung direkt über das Kabel in das Gehäuse des Kopfhörers und somit in dein Ohr. Das hört sich dann wie ein Kratzen oder Poltern an.


Was kann man dagegen tun?

  1. Transparenzmodus nutzen: Moderne Bluetooth-Kopfhörer (wie AirPods Pro oder Sony WF-1000XM5) nutzen Mikrofone, um Außengeräusche einzuspielen. Das hilft dem Gehirn, den "Druck" im Ohr weniger stark wahrzunehmen und gleicht den Effekt elektronisch etwas aus.
  2. Belüftete Gehäuse: Manche High-End-In-Ears haben kleine Ventilationsöffnungen (Vents), die einen Druckausgleich ermöglichen und den Okklusionseffekt reduzieren.
  3. Schaumstoff-Aufsätze (Memory Foam): Diese absorbieren Vibrationen oft etwas besser als dünne Silikon-Aufsätze.
  4. Anderer Kopfhörer-Typ: Wenn dich der Effekt sehr stört, sind Earbuds (die nur locker im Ohr liegen, wie die klassischen AirPods) oder Over-Ear-Kopfhörer die bessere Wahl, da sie den Gehörgang nicht direkt tief im Inneren abdichten.