Warum gilt Hall in Tirol historisch gesehen als die Geburtsstätte des Talers und somit als wichtiger Vorläufer des Dollars?

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Hall in Tirol gilt aus mehreren markanten Gründen als die Geburtsstätte des Talers und damit als „Ahnengalerie“ des heutigen US-Dollars. Die Stadt war im späten 15. Jahrhundert der Ort einer monetären Revolution.

Hier sind die wichtigsten Faktoren für diese historische Bedeutung:

1. Der Reichtum der Silberminen von Schwaz

Nur wenige Kilometer von Hall entfernt lag Schwaz, das im späten Mittelalter die größte Silberbergbaustätte der Welt war. Das enorme Silbervorkommen veranlasste den Tiroler Landesfürsten, Erzherzog Siegmund „den Münzreichen“, die landesfürstliche Münzstätte 1477 von Meran nach Hall zu verlegen. Hall bot durch die Nähe zum Silber und die Lage am Inn (Transportweg) ideale Bedingungen.

2. Die Geburtsstunde des Guldengroschens (1486)

Bis ins 15. Jahrhundert waren Goldmünzen (wie der Goldgulden) das wichtigste Zahlungsmittel für große Summen. Silbermünzen waren hingegen klein und hatten wenig Wert (Groschen). Da Gold knapp, Silber aber im Überfluss vorhanden war, wollte Siegmund eine Silbermünze schaffen, die den gleichen Wert wie ein Goldgulden hatte.

Im Jahr 1486 wurde in Hall der erste Guldengroschen (auch Uncialis genannt) geprägt. Er war groß, schwer und aus fast reinem Silber. Dies war die erste Silbermünze der Neuzeit, die einen hohen Wert repräsentierte und somit den Goldstandard herausforderte.

3. Von Hall nach Joachimsthal (Der Name „Taler“)

Das Konzept der großen Silbermünze aus Hall verbreitete sich schnell. Als man später im böhmischen Joachimsthal (heute Jáchymov, Tschechien) riesige Silbervorkommen fand, kopierte man das Tiroler Vorbild und prägte ab 1518 eigene große Silbermünzen.

Diese wurden „Joachimsthaler“ genannt. Da dieser Name zu lang war, verkürzte er sich im Volksmund zu „Taler“. Obwohl der Name also aus Böhmen stammt, war der Guldengroschen aus Hall das technische und wirtschaftliche Vorbild.

4. Technologische Innovation: Die Walzenprägung

Hall blieb auch später Vorreiter. Im 16. Jahrhundert wurde dort die Walzenprägemaschine erfunden bzw. perfektioniert. Erstmals konnten Münzen in großer Zahl, hoher Geschwindigkeit und gleichbleibender Qualität maschinell produziert werden. Die Technik aus Hall wurde in die ganze Welt exportiert (unter anderem nach Spanien), was die weltweite Verbreitung von Münzen nach Taler-Standard förderte.

5. Die Verbindung zum Dollar

Der Siegeszug des Talers führte zu verschiedenen nationalen Varianten:

  • In den Niederlanden hieß die Münze „Daalder“.
  • Die Spanier prägten den „Peso de á ocho“, der im englischsprachigen Raum oft als „Spanish Dollar“ bezeichnet wurde.

Als die USA nach ihrer Unabhängigkeit eine eigene Währung suchten, entschieden sie sich gegen das britische Pfund und für eine Währung, die sich an den damals weit verbreiteten spanischen Silbermünzen (den „Spanish Dollars“ bzw. Talern) orientierte. So wurde der Dollar 1792 die offizielle Währung der USA.

Fazit

Ohne die Entscheidung Erzherzog Siegmunds in Hall, den Wert des Goldes in Silber „nachzubauen“, hätte es die Entwicklung hin zu großen, wertvollen Silbermünzen so nicht gegeben. Der Guldengroschen von 1486 aus Hall ist somit der direkte biologische Vorfahre des Talers und der technologische Urgroßvater des US-Dollars.

Heute erinnert die Burg Hasegg mit dem Münzturm in Hall als Museum an diese bedeutende Geschichte.