Warum gilt der Strand von Gulpiyuri bei Llanes als einer der ungewöhnlichsten Strände der Welt, obwohl er mitten auf einer Wiese liegt?

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Der Strand von Gulpiyuri (Playa de Gulpiyuri) in Asturien (Nordspanien) gilt deshalb als einer der ungewöhnlichsten Orte der Welt, weil er ein „Binnenstrand“ ist. Er liegt etwa 100 Meter von der eigentlichen Küstenlinie entfernt, mitten im grünen Hinterland.

Hier sind die Gründe für seine Einzigartigkeit im Detail:

1. Die geologische Entstehung (Die Doline)

Der Strand ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis eines geologischen Prozesses in der Kalksteinlandschaft der Region. Gulpiyuri ist technisch gesehen eine Doline (ein Einsturztrichter).

  • Das Meerwasser hat über Jahrtausende hinweg Tunnel und Höhlen in die Klippen gegraben.
  • An einer Stelle im Landesinneren stürzte die Decke einer solchen Höhle ein und hinterließ ein kreisförmiges Loch.
  • Das Ergebnis: Ein kleiner Sandstrand am Boden dieses „Lochs“, umgeben von steilen Felswänden und grünen Wiesen.

2. Die Verbindung zum Meer (Die Tunnel)

Obwohl man das offene Meer von Gulpiyuri aus nicht sehen kann (man sieht nur Felswände und Wiesen), ist der Strand direkt mit dem Kantabrischen Meer verbunden. Das Wasser gelangt durch ein unterirdisches System aus Tunneln und Spalten unter den Klippen hindurch zum Strand.

3. Ebbe und Flut mitten auf der Wiese

Das faszinierendste Phänomen ist, dass Gulpiyuri den Gezeiten unterliegt.

  • Bei Flut füllt sich das Becken mit kristallklarem Salzwasser, und es entstehen sogar kleine Wellen, die durch den Druck in den Tunneln erzeugt werden. Man kann dort ganz normal schwimmen.
  • Bei Ebbe verschwindet das Wasser fast vollständig, und es bleibt nur eine feuchte Sandfläche zurück.

4. Die optische Täuschung

Für Besucher bietet sich ein surreales Bild: Man läuft über eine grüne Wiese, auf der oft Kühe grasen, und steht plötzlich vor einer kleinen Bucht mit feinem Sand und Meereswellen – ohne den Ozean am Horizont zu sehen. Da der Strand nur etwa 40 bis 50 Meter lang ist, wirkt er wie ein „Miniatur-Strand“.

5. Status als Naturdenkmal

Aufgrund dieser geologischen Besonderheit wurde die Playa de Gulpiyuri zum Naturdenkmal (Monumento Natural) erklärt. Da er so klein ist, wirkt er bei großem Besucherandrang schnell überfüllt, weshalb er am besten in der Nebensaison oder am frühen Morgen besucht wird.

Zusammenfassend: Er ist deshalb so ungewöhnlich, weil er alle Merkmale eines echten Meeresstrandes (Salzwasser, Sand, Gezeiten, Wellen) besitzt, aber geografisch gesehen in einer „Badewanne“ mitten in einer Wiese liegt.