Warum gelten moderne Federzugklemmen (Steckklemmen) als wartungsfreier im Vergleich zu Lüsterklemmen?

Melden

Dass moderne Federzugklemmen (oft markenübergreifend nach dem Marktführer „Wago-Klemmen“ genannt) im Gegensatz zu klassischen Lüsterklemmen (Schraubklemmen) als wartungsfrei gelten, hat physikalische und konstruktive Gründe.

Hier sind die wichtigsten Faktoren im Detail:

1. Kompensation von „Kaltfließen“ (Materialsetzung)

Kupfer ist ein relativ weiches Metall, das unter konstantem Druck zur Verformung neigt – man nennt dies „Fließen“ oder „Creep“.

  • Lüsterklemme: Die Schraube übt einen starren Druck aus. Wenn das Kupfer mit der Zeit nachgibt (wegfließt), entsteht ein winziger Spalt. Der Kontaktdruck sinkt.
  • Federzugklemme: Die Feder steht unter permanenter Spannung. Wenn das Material des Leiters nachgibt, „drückt“ die Feder automatisch nach. Der Kontaktdruck bleibt über Jahrzehnte konstant.

2. Thermische Einflüsse (Ausdehnung und Zusammenziehung)

Stromfluss erzeugt Wärme, und Leitungen kühlen wieder ab, wenn kein Strom fließt.

  • Lüsterklemme: Durch das ständige Ausdehnen und Zusammenziehen kann sich die Schraubverbindung lockern. Ein lockerer Kontakt führt zu einem höheren Übergangswiderstand, was wiederum mehr Hitze erzeugt – ein Teufelskreis, der im schlimmsten Fall zum Schmelzen der Klemme oder zum Brand führen kann.
  • Federzugklemme: Die Feder kompensiert die thermische Ausdehnung dynamisch. Sie hält den Kontakt bei jeder Temperatur sicher fest.

3. Vibrationsfestigkeit

In Gebäuden gibt es oft unbemerkte Vibrationen (durch Verkehr, Maschinen, Türenschlagen oder Windlasten).

  • Lüsterklemme: Vibrationen können dazu führen, dass sich Schrauben schleichend lösen.
  • Federzugklemme: Das System ist konstruktionsbedingt erschütterungssicher. Federzugverbindungen werden daher auch standardmäßig in Zügen, Flugzeugen und Maschinen eingesetzt.

4. Ausschluss von Montagefehlern (Menschlicher Faktor)

Bei einer Schraubklemme hängt die Qualität der Verbindung vom Installateur ab:

  • Zu locker: Funkenbildung und Brandgefahr.
  • Zu fest: Die Schraube kann die feinen Kupferdrähte quetschen oder gar abscheren, was den Querschnitt verringert und eine Sollbruchstelle erzeugt.
  • Federzugklemme: Die Klemmkraft ist durch die Federkennlinie präzise vordefiniert. Sobald der Leiter korrekt eingesteckt ist, ist die Verbindung optimal – unabhängig davon, wer sie installiert hat.

5. Gasdichte Kontaktstelle

Durch den hohen, punktuellen Druck der Federkante auf den Leiter entsteht eine gasdichte Kontaktstelle. Das bedeutet, dass kein Sauerstoff oder aggressive Gase zwischen Leiter und Kontaktstelle dringen können. Korrosion (Oxidation), die den elektrischen Widerstand erhöhen würde, wird so effektiv verhindert.

Fazit

Während die DIN VDE vorschreibt, dass Schraubverbindungen in elektrischen Anlagen theoretisch regelmäßig geprüft und ggf. nachgezogen werden müssen (was in Privathaushalten fast nie passiert), erlauben moderne Normen den Einsatz von Federzugklemmen in unzugänglichen Bereichen (z. B. hinter Verkleidungen), weil sie eben wartungsfrei sind.

Zusammenfassend: Die Feder „lebt“ mit dem Leiter mit, während die Schraube starr bleibt und mit der Zeit den Kontakt verliert.

0