Warum führt Überfischung bei natürlichen Austernbänken zu einer Verschlechterung der Wasserqualität?

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Die Verschlechterung der Wasserqualität durch die Überfischung von Austernbänken lässt sich vor allem durch den Verlust der biologischen Filterleistung und die Störung des Nährstoffkreislaufs erklären. Austern werden oft als „Ökosystem-Ingenieure“ bezeichnet, weil sie ihre Umwelt aktiv gestalten und reinigen.

Hier sind die wichtigsten Gründe im Detail:

1. Enorme Filterleistung fällt weg

Austern sind Filtrierer. Eine einzige ausgewachsene Auster kann je nach Wassertemperatur und Art bis zu 200 Liter Wasser pro Tag filtern. Sie pumpen Wasser durch ihre Kiemen und entnehmen dabei Plankton, Bakterien und organische Schwebstoffe als Nahrung.

  • Folge der Überfischung: Wenn Millionen von Austern entfernt werden, bleibt das Wasser ungefiltert. Die Konzentration von Schwebstoffen steigt, wodurch das Wasser trüber wird (zunehmende Turbidität).

2. Zunahme der Eutrophierung (Überdüngung)

Austern spielen eine Schlüsselrolle beim Management von Stickstoff und Phosphor im Küstenwasser. Diese Nährstoffe gelangen oft durch Düngemittel aus der Landwirtschaft ins Meer.

  • Wie Austern helfen: Sie fressen das Phytoplankton (Algen), das durch die Nährstoffe stark wächst. Den Stickstoff speichern sie entweder in ihrem Gewebe und ihrer Schale oder scheiden ihn als Kot aus, der im Boden von Bakterien in harmloses Stickstoffgas umgewandelt wird (Denitrifikation).
  • Folge der Überfischung: Ohne Austern kommt es zu massiven Algenblüten. Wenn diese Algen sterben und auf den Grund sinken, werden sie von Bakterien zersetzt. Dieser Prozess verbraucht extrem viel Sauerstoff, was zu „toten Zonen“ (Hypoxie) führt, in denen Fische und andere Meeresbewohner ersticken.

3. Verlust der Sedimentbindung

Natürliche Austernbänke bilden komplexe, dreidimensionale Riffe am Meeresboden.

  • Wie Austern helfen: Diese Riffe brechen die Strömung und die Wellenenergie. Dadurch können sich feine Sedimentpartikel am Boden absetzen, anstatt ständig aufgewirbelt zu werden. Zudem verkleben Austern durch ihre Ausscheidungen (Pseudofäzes) feine Partikel zu schwereren Klumpen, die zu Boden sinken.
  • Folge der Überfischung: Ohne die Riffstruktur wird der Meeresboden durch Strömungen und Wind leichter aufgewirbelt. Das Wasser bleibt dauerhaft trübe, was wiederum das Wachstum von Seegraswiesen verhindert, da nicht genügend Sonnenlicht für die Photosynthese zum Boden durchdringt.

4. Verlust von Lebensraum für andere Reiniger

Eine Austernbank ist ein Hotspot der Biodiversität. In den Zwischenräumen der Muscheln leben unzählige andere Organismen (wie kleine Krebse, Seescheiden oder andere Muschelarten), die ebenfalls zur Wasserreinigung beitragen.

  • Folge der Überfischung: Mit der Zerstörung der Austernbank verschwindet das gesamte Habitat und damit auch die gesamte „Reinigungsgemeinschaft“.

Ein historisches Beispiel: Die Chesapeake Bay (USA)

Die Chesapeake Bay ist das bekannteste Beispiel für diesen Prozess. Im 19. Jahrhundert waren dort so viele Austern vorhanden, dass sie das gesamte Volumen der Bucht theoretisch in etwa drei Tagen komplett filtern konnten. Nach massiver Überfischung und der Zerstörung der Riffe durch Schleppnetze dauerte dieser Vorgang fast ein Jahr. Die Folge waren massive ökologische Probleme, Algenplagen und ein dramatischer Rückgang der Wasserqualität, mit denen die Region bis heute kämpft.

Zusammenfassend: Überfischung verwandelt ein selbstreinigendes, klares System in ein trübes, nährstoffüberlastetes und sauerstoffarmes System.

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