Warum enthalten viele klassische Aftershaves Alkohol?
Dass viele klassische Aftershaves Alkohol (meist Ethanol) enthalten, hat mehrere praktische und hygienische Gründe, die eng mit dem Prozess der Nassrasur verbunden sind.
Hier sind die wichtigsten Funktionen von Alkohol in Aftershaves:
1. Desinfektion
Beim Rasieren entstehen fast immer mikroskopisch kleine Verletzungen (Mikroschnitte), auch wenn man sich nicht direkt schneidet. Alkohol wirkt antiseptisch. Er tötet Bakterien ab, die sonst in diese winzigen Wunden eindringen und Entzündungen, Pickel oder den gefürchteten „Rasurbrand“ (Follikulitis) verursachen könnten.
2. Adstringierende Wirkung (Zusammenziehend)
Alkohol wirkt adstringierend. Das bedeutet, er sorgt dafür, dass sich das Gewebe und die Poren der Haut zusammenziehen. Dies hat zwei Vorteile:
- Es hilft dabei, kleine Blutungen schneller zu stoppen.
- Das Hautbild wirkt nach der Anwendung straffer und glatter.
3. Kühlung und Frische-Effekt
Alkohol verdunstet sehr schnell auf der Haut. Bei dieser Verdunstung entsteht sogenannte Verdunstungskälte. Dies sorgt für den typischen Frische-Kick und den kühlenden Effekt, den viele Männer nach der Rasur als angenehm und belebend empfinden.
4. Reinigung
Nach der Rasur können Reste von Rasierschaum, Seife oder Hautfetten zurückbleiben. Alkohol ist ein hervorragendes Lösungsmittel und reinigt die Haut gründlich von diesen Rückständen.
5. Duftträger und Konservierung
- Lösungsmittel: Viele Duftstoffe (ätherische Öle) lösen sich nicht in Wasser, aber sehr gut in Alkohol. Er dient also dazu, das Parfüm im Aftershave gleichmäßig zu verteilen.
- Haltbarkeit: Alkohol wirkt konservierend. Aftershaves mit hohem Alkoholgehalt benötigen keine zusätzlichen Konservierungsstoffe und sind nahezu unbegrenzt haltbar.
Die Kehrseite: Warum es heute Alternativen gibt
Trotz dieser Vorteile hat Alkohol auch Nachteile, weshalb viele moderne Produkte (Aftershave Balms) darauf verzichten:
- Austrocknung: Alkohol entzieht der Haut Fett und Feuchtigkeit. Bei Männern mit trockener oder empfindlicher Haut kann dies zu Schuppenbildung und Reizungen führen.
- Brennen: Der typische „Schmerz“ beim Auftragen (bekannt aus Filmen wie Kevin – Allein zu Haus) entsteht, weil der Alkohol die Schmerzrezeptoren in den offenen Mikrowunden reizt.
Fazit: Klassische Aftershaves mit Alkohol sind vor allem für Männer mit fettiger oder normaler Haut geeignet, die den desinfizierenden Kick und den Duft schätzen. Wer zu trockener oder sensibler Haut neigt, greift heute eher zu alkoholfreien Balsamen, die die Haut eher beruhigen und rückfetten.