Warum dürfen aluminiumhaltige Antazida nicht bei eingeschränkter Nierenfunktion eingenommen werden?

Melden

Aluminiumhaltige Antazida (Mittel zur Neutralisierung der Magensäure) dürfen bei eingeschränkter Nierenfunktion (Niereninsuffizienz) nicht oder nur unter strengster ärztlicher Kontrolle eingenommen werden. Der Hauptgrund dafür ist das Risiko einer Aluminiumvergiftung durch Kumulation (Anreicherung).

Hier sind die Details dazu:

1. Eingeschränkte Ausscheidung

Normalerweise wird nur ein geringer Teil des in Antazida enthaltenen Aluminiums vom Körper über den Darm aufgenommen. Dieser kleine Anteil wird bei gesunden Menschen problemlos über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden. Wenn die Nierenfunktion jedoch eingeschränkt ist, kann das Aluminium nicht mehr effektiv aus dem Blut gefiltert werden. Es reichert sich im Körper an.

2. Ablagerung in Organen und Geweben

Da das Aluminium nicht ausgeschieden werden kann, lagert es sich in verschiedenen Geweben ab, was zu schweren Langzeitschäden führen kann:

  • Gehirn (Enzephalopathie): Aluminium kann die Blut-Hirn-Schranke passieren. Eine Anreicherung im Gehirn führt zur sogenannten „Dialyse-Enzephalopathie“. Symptome sind Sprachstörungen, Gedächtnisverlust, Verwirrtheit und im schlimmsten Fall Demenz oder Krampfanfälle.
  • Knochen (Osteopathie): Aluminium lagert sich in den Knochen ab und verdrängt dort das Calcium. Dies stört die Mineralisation des Knochens. Die Folge sind Knochenschmerzen, eine erhöhte Bruchgefahr (Osteomalazie) und Verformungen.
  • Blut (Anämie): Ein Zuviel an Aluminium kann die Eisenaufnahme und die Bildung von rotem Blutfarbstoff stören, was zu einer Blutarmut (mikrozytäre Anämie) führt.

3. Besonderheit: Phosphatbindung

Aluminium wird bei chronisch Nierenkranken manchmal ganz gezielt als „Phosphatbinder“ eingesetzt, um den bei Nierenversagen zu hohen Phosphatspiegel im Blut zu senken. Aber selbst in diesem Fall geschieht dies nur unter engmaschiger ärztlicher Überwachung der Aluminiumspiegel im Blut, da das Risiko der Vergiftung ständig präsent ist.

Heutzutage werden hierfür meist modernere, aluminiumfreie Phosphatbinder (z. B. auf Calcium- oder Magnesiumbasis oder Sevelamer) bevorzugt.

Fazit

Bei einer Niereninsuffizienz ist das Entgiftungssystem des Körpers für Metalle gestört. Um schwerwiegende Schäden an Nervensystem und Skelett zu vermeiden, sind aluminiumhaltige Medikamente in der Selbstmedikation für diese Patientengruppe tabu.

Wichtiger Hinweis: Wenn Sie unter Nierenproblemen leiden und Sodbrennen haben, sollten Sie stattdessen auf aluminiumfreie Alternativen (z. B. reine Magnesium- oder Calciumcarbonat-Präparate) ausweichen oder – noch besser – Rücksprache mit Ihrem Nephrologen (Nierenspezialisten) halten.

0