Warum deckt eine Tönung graue Haare oft nicht vollständig ab?
Dass eine klassische Tönung (Stufe 1) graue Haare oft nicht vollständig abdeckt, liegt an der speziellen Struktur von grauem Haar und der Funktionsweise der Tönung selbst.
Hier sind die Hauptgründe:
1. Die Funktionsweise einer Tönung (Stufe 1)
Eine echte Tönung arbeitet ohne Oxidationsmittel (wie Wasserstoffperoxid) und ohne Ammoniak. Die Farbpigmente sind bei einer Tönung sehr groß.
- Nur an der Oberfläche: Die Pigmente legen sich lediglich von außen um das Haar herum und haften an der Schuppenschicht.
- Kein Eindringen: Da die Schuppenschicht des Haares nicht chemisch geöffnet wird, gelangen keine Pigmente ins Innere des Haares (den Cortex).
- Transparenz: Da die Tönung wie ein farbiger „Schleier“ wirkt, scheint die ursprüngliche Farbe – in diesem Fall das Weiß oder Grau – hindurch.
2. Die Struktur von grauem Haar
Graues Haar ist nicht einfach nur farblos, es hat oft auch eine andere Beschaffenheit als pigmentiertes Haar:
- Fehlendes Melanin: Graues Haar enthält keine Farbpigmente (Melanin) mehr. Es ist im Grunde weiß. Eine Tönung ist darauf ausgelegt, bestehende Farbe zu nuancieren, nicht aber, komplett fehlende Farbpigmente massiv zu ersetzen.
- Widerspenstige Schuppenschicht: Bei grauen Haaren ist die äußere Schuppenschicht oft sehr kompakt und fest geschlossen („glasiges Haar“). Die Farbpigmente einer Tönung finden dadurch kaum Halt und rutschen beim nächsten Waschen einfach wieder ab.
3. Der „Lerneffekt“ (Transparenz-Effekt)
Wenn man dunkle Haare mit einer Tönung behandelt, sieht man kaum einen Unterschied, weil die dunklen Eigenpigmente dominieren. Bei weißem Haar gibt es jedoch keinen dunklen Untergrund. Das Ergebnis ist dann oft kein sattes Braun oder Blond, sondern ein durchscheinender, pastelliger Schimmer, der das Grau eher wie eine helle Strähne wirken lässt, anstatt es unsichtbar zu machen.
Was sind die Alternativen?
Wenn die Abdeckung der grauen Haare das Ziel ist, reichen klassische Tönungen meist nicht aus. Man muss zu Produkten greifen, die das Haar chemisch öffnen:
- Intensivtönung (Stufe 2): Diese enthält einen geringen Anteil an Oxidationsmittel. Sie öffnet die Schuppenschicht leicht, sodass Pigmente etwas tiefer eindringen können. Sie deckt graue Haare zu ca. 50 % bis 70 % ab.
- Dauerhafte Färbung / Coloration (Stufe 3): Hier wird die Schuppenschicht stark geöffnet und die natürlichen Pigmente werden teilweise ersetzt bzw. die künstlichen Pigmente fest im Inneren verankert. Nur so erreicht man eine 100%ige Grauabdeckung.
Zusammenfassend: Eine Tönung ist wie eine Wasserfarbe auf Glas – sie haftet schlecht und ist durchsichtig. Eine Färbung ist wie Lack auf Holz – sie dringt ein und deckt die Oberfläche komplett ab.