Warum darf eine Kabeltrommel für Innenräume nicht bei Nässe verwendet werden?

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Eine Kabeltrommel, die explizit für Innenräume (Indoor) gekennzeichnet ist, darf niemals bei Nässe oder im Freien verwendet werden. Das hat schwerwiegende sicherheitstechnische Gründe:

1. Mangelnde Schutzart (IP-Schutzklasse)

Elektrogeräte werden in Schutzarten eingeteilt. Innenraum-Kabeltrommeln haben meist die Schutzart IP20.

  • Die „2“ bedeutet: Geschützt gegen feste Fremdkörper mit einem Durchmesser ab 12,5 mm (man kann also nicht mit dem Finger an spannungsführende Teile fassen).
  • Die „0“ bedeutet: Keinerlei Schutz gegen Wasser. Kabeltrommeln für den Außenbereich müssen mindestens IP44 (spritzwassergeschützt) zertifiziert sein und über selbstschließende Deckel an den Steckdosen verfügen.

2. Kurzschlussgefahr

Wasser ist elektrisch leitfähig (besonders wenn es durch Schmutz oder Mineralien auf dem Boden verunreinigt ist). Wenn Feuchtigkeit in das Gehäuse oder in die Steckplatzkontakte eindringt, kann sie eine elektrische Brücke zwischen den Polen (Phase und Neutralleiter) schlagen. Das führt zu einem Kurzschluss, der das Gerät zerstört oder im schlimmsten Fall einen Brand auslöst.

3. Lebensgefahr durch Stromschlag

Dies ist der wichtigste Punkt. Wenn die Kabeltrommel nass wird, kann das Gehäuse oder die Oberfläche der Trommel unter Spannung gesetzt werden.

  • Berührt man die nasse Trommel oder ein eingestecktes Gerät, fließt der Strom über den Körper zur Erde ab.
  • Dies kann zu schweren Verbrennungen, Herzrhythmusstörungen oder zum Tod führen.

4. Ungeeignetes Kabelmaterial

Kabel für den Innenbereich bestehen oft aus PVC (z. B. H05VV-F). Dieses Material hat für den Außeneinsatz oder Nässe entscheidende Nachteile:

  • Es ist nicht UV-beständig und wird bei Sonneneinstrahlung spröde.
  • Es ist nicht kältebeständig und kann bei niedrigen Temperaturen reißen, wodurch die Isolierung bricht.
  • Es ist nicht ausreichend gegen das Eindringen von Feuchtigkeit entlang der Litzen geschützt. Außenkabel bestehen stattdessen meist aus robustem Gummi oder Neopren (z. B. H07RN-F).

5. Fehlende Dichtungen

Bei einer Indoor-Trommel fehlen die Dichtungsringe an den Steckdosen und am Gehäuseeingang. Regen, Tauwasser oder auch nur eine hohe Luftfeuchtigkeit können ungehindert in das Innere der Trommel vordringen, wo die Kabel mit den Steckbuchsen verbunden sind.

Was passiert im Schadensfall?

  • Sicherung/FI-Schutzschalter: Im idealen Fall löst der FI-Schalter (RCD) aus und unterbricht den Stromkreis. Verlässt man sich jedoch darauf, spielt man mit seinem Leben, da nicht jeder Stromkreis optimal abgesichert ist.
  • Versicherungsschutz: Wenn ein Brand oder Unfall durch die Verwendung einer Indoor-Kabeltrommel im Freien oder bei Nässe entsteht, gilt dies als grob fahrlässig. Versicherungen verweigern in solchen Fällen oft die Schadensregulierung.

Fazit: Verwenden Sie im Garten, in der Garage oder in feuchten Kellern ausschließlich Kabeltrommeln, die mit IP44 gekennzeichnet und für den Außenbereich (Outdoor) zugelassen sind. Diese erkennt man meist an den Klappdeckeln über den Steckdosen und dem dicken Gummikabel.

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