Warum bietet die Sonnenschutzblende trotz korrekter Montage keinen ausreichenden Blendschutz?
Dass eine Sonnenschutzblende trotz korrekter Montage keinen ausreichenden Schutz bietet, kann an verschiedenen physikalischen, konstruktiven oder situativen Faktoren liegen. Hier sind die häufigsten Gründe:
1. Tiefer Sonnenstand (Geometrie)
Dies ist die häufigste Ursache. Morgens oder abends steht die Sonne so tief am Horizont, dass die Lichtstrahlen in einem sehr flachen Winkel unter der Unterkante der heruntergeklappten Blende hindurchscheinen.
- Problem: Die Blende ist schlichtweg nicht lang genug, um den Bereich direkt über dem Armaturenbrett abzudecken, ohne die Sicht auf die Straße komplett zu versperren.
2. Fehlende Abdeckung der Seitenbereiche (Lücken)
Standard-Sonnenblenden decken oft nicht die gesamte Breite der Scheibe ab.
- A-Säule: Es bleibt oft ein Spalt zwischen der Blende und der A-Säule (dem vorderen Dachpfosten).
- Rückspiegel: Im Bereich um den Innenspiegel gibt es meist eine Aussparung, durch die die Sonne ungehindert scheinen kann.
- Seitenscheibe: Wenn die Blende zur Seite geschwenkt wird, ist sie oft zu kurz, um das gesamte Seitenfenster abzudecken (viele moderne Autos haben hierfür jedoch eine Ausziehfunktion).
3. Indirekte Blendung (Reflexionen)
Die Blende schützt nur vor dem direkten Lichtweg von der Sonne zum Auge. Sie hilft nicht gegen:
- Reflexionen auf der Fahrbahn: Besonders bei nasser Straße spiegelt sich das Sonnenlicht von unten nach oben.
- Spiegelungen im Cockpit: Licht, das auf helle Kunststoffteile oder Chromleisten am Armaturenbrett trifft und von dort ins Auge reflektiert wird.
- Die Motorhaube: Bei hellen Lackfarben kann die Motorhaube wie ein Reflektor wirken.
4. Materialbeschaffenheit (Lichtdurchlässigkeit)
Bei Zubehör-Sonnenschutz (z. B. Saugnapf-Blenden für Kinder oder Netze):
- Maschenweite: Viele Netze sind zu grobmaschig. Sie lassen zu viel "Streulicht" durch, was zwar die Hitze reduziert, aber die Blendung für das Auge nicht effektiv verhindert.
- Transparenz: Wenn das Material einen zu hohen Transmissionsgrad hat, bleibt der Kontrastunterschied zwischen der hellen Umgebung und dem restlichen Sichtfeld zu groß, was das Auge stresst.
5. Sitzposition des Fahrers
Die Wirksamkeit einer Blende hängt stark von der Augenhöhe ab.
- Große Personen: Wenn man sehr hoch sitzt, blickt man fast direkt gegen die Blende und verliert zu viel Sichtfeld, wenn man sie tiefer stellt.
- Kleine Personen: Wenn man sehr tief sitzt, reicht die Blende oft nicht weit genug nach unten, um die Sonne abzuschirmen.
6. Fehlende Polarisation
Eine physische Barriere wie eine Sonnenblende dunkelt nur ab. Sie kann aber die physikalische Polarisation des Lichts nicht beeinflussen. Anstrengende Blendungen durch spiegelnde Oberflächen (Wasser, Glas, Metall) lassen sich oft nur durch eine polarisierte Sonnenbrille wirksam ausschalten, nicht durch eine einfache Blende.
Was kann man tun?
- Sonnenbrille nutzen: Eine gute (am besten polarisierte) Sonnenbrille ist die effektivste Ergänzung zur Blende.
- Blenden-Verlängerungen: Es gibt im Zubehörhandel "Anti-Glare"-Aufsätze, die transparent-getönt sind und die Blende nach unten oder zur Seite verlängern.
- Sitzposition anpassen: Manchmal hilft es, die Sitzhöhe leicht zu korrigieren, um den Winkel zur Blende zu optimieren.
- Scheibentönung: Ein (gesetzlich zulässiger!) Blendstreifen am oberen Rand der Windschutzscheibe kann helfen, die Lücken um den Rückspiegel zu schließen.