Warum beeinträchtigt die Flüssigkeit aus der Dose oft die Konsistenz von Saucen?
Dass die Flüssigkeit aus der Dose (die sogenannte Aufgussflüssigkeit) die Konsistenz von Saucen oft negativ beeinflusst, liegt an ihrer chemischen Zusammensetzung und den während der Lagerung ablaufenden Prozessen.
Hier sind die Hauptgründe, warum sie Saucen oft „schleimig“, zu dünn oder geschmacklich unausgewogen macht:
1. Ausgetretene Stärke (Amylose)
Besonders bei Hülsenfrüchten (Bohnen, Kichererbsen, Linsen) tritt während des Erhitzens in der Dose Stärke aus dem Inneren in das Wasser aus.
- Der Effekt: Diese Stärke bindet die Flüssigkeit zu einer viskosen, leicht klebrigen oder „schleimigen“ Konsistenz. Wenn du diese Flüssigkeit in eine Sauce gibst, verändert sie das Mundgefühl – die Sauce wirkt nicht mehr cremig-glatt, sondern oft mehlig oder gallertartig.
2. Gelöste Proteine und Saponine
In der Flüssigkeit von Hülsenfrüchten lösen sich Proteine und Saponine (Pflanzenstoffe, die Schaum bilden).
- Der Effekt: Das bekannteste Beispiel ist Aquafaba (Kichererbsenwasser). In einer Sauce kann dies dazu führen, dass die Sauce beim Aufkochen unerwünscht schäumt oder eine luftige, instabile Textur bekommt, die sich beim Abkühlen unschön trennt.
3. Festigungsmittel (z. B. Calciumchlorid)
Vielen Konservengemüsen (wie Tomaten oder Bohnen) wird Calciumchlorid zugesetzt, damit das Gemüse in der Dose nicht matschig wird, sondern seine Form behält.
- Der Effekt: Dieses Mittel verhindert, dass das Gemüse beim Kochen in der Sauce „zerfällt“ und sich natürlich mit der Sauce verbindet. Die Sauce bleibt dadurch wässrig, während das Gemüse hart bleibt, anstatt eine sämige Einheit zu bilden.
4. Salzgehalt und Osmose
Die Flüssigkeit in der Dose ist meist stark gesalzen.
- Der Effekt: Wenn du diese salzige Flüssigkeit zur Sauce gibst, verändert das die osmotischen Verhältnisse. Es kann dazu führen, dass anderen frischen Zutaten in der Sauce (z. B. frischen Pilzen oder Zwiebeln) das Wasser entzogen wird, wodurch diese zäh werden, während die Sauce selbst verwässert.
5. Gelöste Pektine
Bei Obst- oder Gemüsekonserven lösen sich Pektine aus den Zellwänden.
- Der Effekt: Diese wirken wie ein Geliermittel. In einer herzhaften Sauce kann das dazu führen, dass die Sauce beim Abkühlen eine geleeartige, unnatürliche Konsistenz annimmt.
Wann sollte man die Flüssigkeit nutzen und wann nicht?
- Wegschütten (und abspülen): Bei Bohnen, Linsen und Kichererbsen. Die Flüssigkeit enthält zudem unverdauliche Zucker (Oligosaccharide), die Blähungen verursachen können. Durch das Abspülen wird die Sauce bekömmlicher und die Farbe sauberer.
- Behalten: Bei hochwertigen Dosentomaten (Pelati). Hier ist die Flüssigkeit meist kein bloßes Wasser, sondern Tomatensaft, der für die Bindung der Sauce essenziell ist.
- Bedingt nutzen: Bei Pilzen aus der Dose ist die Flüssigkeit oft sehr metallisch im Geschmack und schleimig – hier empfiehlt sich fast immer das Abgießen.
Tipp für die perfekte Konsistenz: Wenn du die Bindung der Dosenflüssigkeit vermisst, nutze lieber ein wenig echtes Kochwasser (von den Nudeln oder Kartoffeln) oder eine klassische Mehlschwitze/Stärkebindung. Das Ergebnis ist deutlich kontrollierter und geschmacksneutraler.