Verursachen die in OSB-Platten verwendeten Klebstoffe unangenehme Gerüche im Innenraum?

Melden

Die kurze Antwort lautet: Ja, OSB-Platten können Gerüche verursachen, aber es sind oft nicht (nur) die Klebstoffe, die man riecht. Es ist eine Kombination aus den verwendeten Bindemitteln und den natürlichen Inhaltsstoffen des Holzes.

Hier ist eine detaillierte Aufschlüsselung, warum OSB-Platten riechen und worauf Sie achten sollten:

1. Die Rolle der Klebstoffe

Früher wurden OSB-Platten fast ausschließlich mit Harnstoff-Formaldehyd-Harzen (UF) verleimt. Diese dünsten über lange Zeit Formaldehyd aus, was einen stechenden, chemischen Geruch hat.

Heute gibt es zwei gängige Varianten:

  • PMDI-Verleimung (Isocyanate): Viele moderne Platten (oft als „formaldehydfrei verleimt“ beworben) nutzen PMDI. Diese Klebstoffe sind nach der Aushärtung nahezu geruchlos und geben kein Formaldehyd ab.
  • MUF-Harze (Melamin-Urea-Formaldehyd): Diese werden oft für die Deckschichten verwendet. Sie geben geringe Mengen Formaldehyd ab, halten aber die strengen Grenzwerte (E1-Norm) ein.

2. Die Rolle des Holzes (VOCs)

Häufiger als der Klebstoff ist das Holz selbst die Ursache für den typischen OSB-Geruch. OSB besteht zu ca. 95 % aus Holzspänen (meist Kiefer oder Fichte).

  • Terpene und Aldehyde: Nadelhölzer enthalten natürliche Harze und Öle. Während des Herstellungsprozesses (Trocknung der Späne bei hohen Temperaturen und Pressen) werden diese Stoffe freigesetzt.
  • Hexanal: Ein spezieller Stoff, der durch die Oxidation von Fettsäuren im Holz entsteht, wird oft als „ranzig“, „fettig“ oder „nach nassem Karton“ riechend wahrgenommen. Dies ist ein natürlicher Prozess, der besonders bei OSB-Platten stark ausgeprägt sein kann.

3. Wann wird der Geruch zum Problem?

  • Frische der Ware: Ganz frisch produzierte Platten riechen am stärksten. Wenn sie direkt vom Werk auf die Baustelle kommen, ist die Konzentration der flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs) am höchsten.
  • Feuchtigkeit und Wärme: Hohe Luftfeuchtigkeit und hohe Temperaturen verstärken die Ausgasung und damit den Geruch.
  • Mangelnde Belüftung: In luftdichten Räumen (moderner Hausbau) reichern sich die Gerüche an, wenn nicht ausreichend gelüftet wird.

4. Gesundheitliche Aspekte

Der typische „OSB-Geruch“ ist in der Regel nicht gesundheitsschädlich, sofern die Platten der Emissionsklasse E1 entsprechen (was in Europa Standard ist). Dennoch können sensible Personen auf die natürlichen Holzemissionen (Terpene) mit Reizungen der Atemwege, Kopfschmerzen oder Müdigkeit reagieren.

Tipps zur Vermeidung von Gerüchen:

  1. Achten Sie auf Zertifikate: Kaufen Sie Platten mit dem Blauen Engel oder dem eco-Institut-Label. Diese Produkte sind emissionsgeprüft und deutlich strenger reglementiert als der gesetzliche Standard.
  2. „Formaldehydfrei verleimt“: Bevorzugen Sie Platten, die mit PMDI verleimt sind (steht oft im Datenblatt).
  3. Lagerung und Lüftung: Lassen Sie die Platten vor dem Einbau idealerweise einige Tage in einem gut belüfteten, trockenen Raum „ausmüffeln“.
  4. Absperren: Wenn die Platten bereits verbaut sind und stören, können spezielle VOC-Absperr-Grundierungen oder Lacke helfen, die Ausgasungen zu reduzieren. Auch das Beplanken mit Gipsplatten mindert den Geruch deutlich.
  5. Oberflächenbehandlung: Unbehandelte OSB-Platten riechen stärker als solche, die mit Öl, Wachs oder Lack versiegelt wurden (wobei das Finish selbst kurzzeitig riechen kann).

Fazit: Ja, ein gewisser „Wald-“ oder „Holzgeruch“ (manchmal auch etwas säuerlich) ist bei OSB normal. Ein stechender, chemischer Geruch deutet hingegen auf billige Bindemittel oder minderwertige Ware hin.

0