Sind die beiliegenden Datenträger (CD/DVD) von Computer-Fachzeitschriften durch das Verschwinden von optischen Laufwerken nutzlos geworden?
Die kurze Antwort lautet: Technisch gesehen nein, praktisch gesehen für die meisten Nutzer ja.
Es ist eine paradoxe Situation: Während Computer-Fachzeitschriften (wie c't, Chip oder PC-Welt) immer noch Datenträger beilegen, besitzen die meisten modernen Endgeräte (Laptops, Tablets, moderne Desktop-Gehäuse) seit Jahren keine internen Laufwerke mehr.
Hier ist eine detaillierte Analyse der Situation:
1. Warum sie "nutzlos" erscheinen
- Fehlende Hardware: Apple hat das CD-Laufwerk bereits 2012 aus dem MacBook Pro entfernt. Seitdem sind fast alle Hersteller gefolgt, um Geräte dünner und leichter zu machen.
- Internetgeschwindigkeit: Früher war die Heft-CD die einzige Möglichkeit, große Softwarepakete oder Treiber ohne stundenlanges Herunterladen zu erhalten. Bei heutigen Breitbandanschlüssen ist ein Download fast immer schneller als das Suchen und Einlegen einer DVD.
- Aktualität: Software auf einer DVD ist zum Zeitpunkt des Kaufs oft schon veraltet. Online-Versionen bieten sofort die neuesten Sicherheits-Updates.
2. Warum sie dennoch nicht völlig wertlos sind
- Vollversionen und Exklusiv-Lizenzen: Das Hauptargument für die Heft-DVD sind oft die beigelegten Vollversionen von Kaufsoftware, die man sonst bezahlen müsste. Die Lizenzschlüssel sind oft an den physischen Datenträger oder einen Code im Heft gebunden.
- Rettungssysteme: Bootfähige DVDs (z. B. mit Linux-Live-Systemen zur Virensuche oder Datenrettung) sind in Notfällen nützlich, wenn das Betriebssystem nicht mehr startet – vorausgesetzt, man hat ein Laufwerk.
- Zielgruppe: Ein Teil der Leserschaft von Fachzeitschriften gehört zur älteren Generation oder zu Nutzern, die ihre Hardware über viele Jahre behalten. In diesen Haushalten stehen oft noch Rechner mit eingebauten Laufwerken.
3. Die Lösung: Wie man sie heute noch nutzt
Wer die Inhalte einer Heft-DVD nutzen möchte, greift heute meist zu zwei Methoden:
- Externes USB-Laufwerk: Für ca. 20 bis 30 Euro kann man ein externes DVD-Lvaufwerk kaufen, das per USB angeschlossen wird. Das ist die Standardlösung für "Drive-less" Haushalte.
- Virtuelle Laufwerke / ISO-Images: Viele Zeitschriften bieten mittlerweile einen "virtuellen Datenträger" an. Man gibt einen Code aus dem Heft auf der Webseite des Verlags ein und kann den gesamten Inhalt der DVD als ISO-Datei oder einzeln herunterladen.
4. Der Trend geht zum "Code statt Disc"
Die Verlage haben das Problem längst erkannt. Viele Zeitschriften erscheinen mittlerweile in zwei Versionen:
- Mit Datenträger: Teurer, für Sammler und Nutzer mit Laufwerk.
- Ohne Datenträger (Magazin-Version): Günstiger, oft mit einem "Download-Code", der Zugriff auf die gleichen Inhalte im Internet gewährt.
Fazit
Die Heft-DVD ist ein Auslaufmodell, aber noch nicht völlig nutzlos. Sie ist zu einem reinen Lizenzträger geworden. Der physische Kunststoff ist oft nur noch die "Verpackung" für einen Software-Key. In wenigen Jahren wird sie vermutlich komplett durch QR-Codes und Download-Portale ersetzt worden sein – ein Prozess, der bereits in vollem Gange ist.