Seit wann werden Servietten historisch belegt beim Mahlzeiten verwendet?

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Die Geschichte der Serviette ist lang und wandelte sich stark mit den jeweiligen Tischsitten. Man kann die Entwicklung grob in vier Epochen unterteilen:

1. Antike: Die Anfänge

Die ersten Belege für serviette-ähnliche Gegenstände finden sich in der Antike, allerdings wurden sie anders genutzt als heute:

  • Griechenland: In der Antike nutzten die Griechen oft kleine Brotstücke (genannt Apomagdalie), um sich die Finger abzuwischen.
  • Rom: Die Römer kannten bereits zwei Arten von Tüchern:
    • Das Sudarium (Schweißtuch): Ein kleines Tuch für das Gesicht.
    • Die Mappa: Dies war eine größere Leinenserviette, die die Gäste oft selbst zu Gastmählern mitbrachten. Sie diente dazu, die Polster der Liegen zu schützen und – ganz wichtig – um Reste der Mahlzeit darin einzupacken und mit nach Hause zu nehmen.

2. Mittelalter: Das Tischtuch als „Allzweckwaffe“

Nach dem Untergang des Römischen Reiches geriet die individuelle Serviette in Europa weitgehend in Vergessenheit.

  • Gegessen wurde meist mit den Fingern.
  • An den Höfen des Adels wurden lange Tischtücher verwendet, die an den Seiten weit herunterhingen. Diese Überhänge dienten den Gästen gemeinschaftlich dazu, sich Mund und Hände abzuwischen.
  • Später gab es die sogenannte „Nappe“ oder „Touaille“, ein langes, schmales Gemeinschaftstuch, das über der Schulter oder dem Arm getragen oder entlang der Tischkante ausgelegt wurde.

3. Renaissance: Die Geburt der modernen Serviette (15./16. Jahrhundert)

Die Serviette, wie wir sie heute kennen (als individuelles Tuch für jeden Gast), kehrte im 15. Jahrhundert zunächst in Italien in die gehobene Tischkultur zurück.

  • Warum gerade dann? Die Einführung der Gabel und verfeinerte Sitten machten es unschicklich, sich die Hände am Tischtuch oder an der Kleidung abzuwischen.
  • Status-Symbol: Servietten wurden zu Luxusobjekten aus feinem Leinen. Es entwickelte sich die Kunst des Serviettenfaltens (besonders im Barock). An Fürstenhöfen wurden Servietten zu kunstvollen Skulpturen (Schiffen, Tieren, Burgen) gefaltet, um den Reichtum des Gastgebers zu zeigen.
  • Etikette: Im 17. Jahrhundert war es in Frankreich üblich, die Serviette komplett über die Kleidung zu breiten oder am Kragen zu befestigen, um die damals modischen großen Spitzenkragen vor Flecken zu schützen (daher kommt der Ausdruck „sich etwas hinter die Binde gießen“).

4. 19. Jahrhundert bis heute: Industrialisierung und Papier

  • Bürgertum: Im 19. Jahrhundert wurde die Stoffserviette zum Standard in jedem bürgerlichen Haushalt. Es entstanden strenge Regeln, wie sie zu benutzen sei (auf den Schoß legen, nur die Lippen tupfen).
  • Die Papierserviette: Der nächste große Umbruch kam Ende des 19. Jahrhunderts.
    • Die britische Firma John Dickinson Ltd. soll 1887 die ersten Papierservietten auf einem Firmendinner vorgestellt haben.
    • In Deutschland begann die Massenproduktion von Papierservietten erst im 20. Jahrhundert richtig durchzustarten, wobei sie lange Zeit als „billiger“ Ersatz für die feine Stoffserviette galt.

Fazit: Historisch belegt sind Vorläufer bereits seit der römischen Antike (ca. 1. Jahrhundert v. Chr.), aber die Serviette als fester Bestandteil des individuellen Gedecks etablierte sich erst ab der italienischen Renaissance (15. Jahrhundert).