Können Einparkhilfe-Sensoren auch sehr niedrige Bordsteinkanten zuverlässig erkennen?
Die kurze Antwort lautet: Nein, auf Einparkhilfe-Sensoren (Ultraschallsensoren) ist bei sehr niedrigen Bordsteinkanten kein Verlass.
Es gibt mehrere technische und physikalische Gründe, warum herkömmliche Parksensoren bei niedrigen Hindernissen oft versagen:
1. Der Abstrahlwinkel (Keulenform)
Ultraschallsensoren senden Schallwellen in Form eines Kegels oder einer Keule aus. Diese Sensoren sind meistens in einer bestimmten Höhe in der Stoßstange verbaut.
- Das Problem: Wenn ein Hindernis – wie eine flache Bordsteinkante – zu niedrig ist, befindet es sich im „toten Winkel“ unterhalb des Erfassungsbereichs der Sensoren. Das Auto „sieht“ über das Hindernis hinweg.
2. Der Reflexionswinkel
Damit ein Sensor ein Hindernis erkennt, muss die ausgesendete Schallwelle vom Objekt reflektiert werden und zum Sensor zurückkehren.
- Das Problem: Bei einer sehr niedrigen oder schrägen Bordsteinkante wird der Schall oft schräg nach oben abgelenkt (wie bei einem Billardtisch), anstatt zum Sensor zurückzuprallen. Das System registriert dann kein Echo und geht davon aus, dass der Weg frei ist.
3. Mindesthöhe für zuverlässige Erkennung
In der Regel erkennen Sensoren Hindernisse erst ab einer Höhe von etwa 10 bis 15 Zentimetern zuverlässig. Viele Bordsteinkanten sind jedoch flacher oder fallen zur Straße hin ab. Besonders gefährlich sind:
- Abgesenkte Bordsteine.
- Flache Begrenzungen von Grünflächen.
- Sogenannte „Kantensteine“ auf Parkplätzen.
4. Dynamik des Fahrzeugs (Eintauchen)
Wenn das Fahrzeug beladen ist oder man beim Einparken bremst, senkt sich die Front oder das Heck leicht ab. Dies verändert den Winkel der Sensoren zusätzlich, was dazu führen kann, dass ein Hindernis, das kurz zuvor noch erkannt wurde, plötzlich „verschwindet“.
Welche Systeme helfen besser?
- Rückfahrkamera: Hier ist das menschliche Auge den Sensoren überlegen, da man die Kante im Bild meist deutlich sieht.
- 360-Grad-Kameras (Surround View): Diese sind am besten geeignet, da sie oft eine virtuelle Draufsicht oder spezielle „Bordstein-Ansichten“ bieten, die genau auf die Felgen und die Kante zielen.
- Absenkbare Seitenspiegel: Viele moderne Autos klappen den rechten Außenspiegel beim Einlegen des Rückwärtsgangs nach unten, damit der Fahrer die Hinterradfelge und den Bordstein sehen kann.
Fazit und Gefahr
Verlässt man sich nur auf das Piepsen, riskiert man teure Schäden:
- Felgenschäden: Die Kante wird nicht erkannt, und man schrammt mit der Felge entlang.
- Frontschäden: Bei tiefergelegten Fahrzeugen oder Autos mit langen Überhängen kann die Frontlippe über dem Bordstein aufsetzen, ohne dass der Sensor gewarnt hat.
Tipp: Wenn Sie sich unsicher sind, nutzen Sie immer die Spiegel oder die Kamera. Vertrauen Sie dem Piepsen bei niedrigen Kanten niemals blind!