Können die ätherischen Öle im Stilltee den Geschmack der Muttermilch so verändern, dass das Baby die Brust ablehnt?

Melden

Ja, das ist theoretisch möglich, kommt in der Praxis aber eher selten vor. Es ist wissenschaftlich belegt, dass Aromen aus der Nahrung und somit auch die ätherischen Öle aus Kräutertees in die Muttermilch übergehen und deren Geschmack beeinflussen können.

Hier sind die Details dazu, wie das den Säugling beeinflussen kann:

1. Der Geschmack der Muttermilch verändert sich

Die typischen Kräuter in Stilltees (meist Fenchel, Anis und Kümmel) enthalten ätherische Öle, die der Milch eine leicht würzige Note verleihen.

  • Gewöhnungseffekt: Da das Baby bereits im Fruchtwasser Aromen aus der Nahrung der Mutter schmeckt, sind viele Babys an diese Geschmäcker gewöhnt, wenn die Mutter auch während der Schwangerschaft schon ähnliche Kräuter gegessen oder getrunken hat.
  • Neugier vs. Ablehnung: Studien haben gezeigt, dass viele Babys bei neuen Geschmacksnuancen sogar tendenziell länger oder öfter trinken, weil sie den veränderten Geschmack interessant finden.

2. Kann es zur Ablehnung (Brustverweigerung) führen?

Obwohl die meisten Babys den Geschmack von Fenchel, Anis und Kümmel gut akzeptieren, gibt es Ausnahmen:

  • Individuelle Sensibilität: Jedes Baby ist anders. Ein sehr sensibles Baby könnte auf eine starke Geschmacksveränderung mit Irritation reagieren und die Brust vorübergehend ablehnen.
  • Überdosierung: Wenn eine Mutter extrem viel Stilltee trinkt (z. B. literweise am Tag), kann der Geschmack der Milch so intensiv werden, dass das Baby ihn als unangenehm empfindet.
  • Bestimmte Kräuter: Manche Kräuter haben einen sehr starken Eigengeschmack. In seltenen Fällen enthalten Stilltees auch Bockshornklee, der den Geschmack (und den Geruch der Haut der Mutter) deutlich verändern kann (leicht ahorn- oder curryartig).

3. Andere Ursachen für Ablehnung ausschließen

Wenn ein Baby die Brust ablehnt, während die Mutter Stilltee trinkt, ist der Tee oft gar nicht der (einzige) Grund. Oft spielen andere Faktoren eine Rolle:

  • Saugverwirrung (durch Schnuller oder Flasche).
  • Zahnen oder Ohrenschmerzen.
  • Entwicklungsschübe oder die sogenannte „Brustschimpfphase“.
  • Veränderter Körpergeruch der Mutter (neues Duschgel, Deo oder Parfüm).
  • Wiederkehr der Menstruation (Hormonumstellungen verändern den Milchgeschmack kurzzeitig).

Empfehlungen für den Umgang mit Stilltee:

  1. Maß halten: Hebammen empfehlen meist nicht mehr als 2 bis 3 Tassen am Tag. Stilltee ist ein „Arzneitee“ und sollte nicht als Durstlöscher in großen Mengen getrunken werden.
  2. Abwechslung: Wechseln Sie zwischen Stilltee, Wasser und Saftschorlen ab.
  3. Beobachtung: Wenn Sie vermuten, dass der Tee die Ursache ist, lassen Sie ihn für 2–3 Tage weg und schauen Sie, ob sich das Trinkverhalten Ihres Babys ändert.
  4. Inhaltsstoffe prüfen: Manche Babys reagieren auf den Geschmack von Bockshornklee im Tee empfindlicher als auf die klassische Fenchel-Anis-Kümmel-Mischung.

Wichtig: Wenn Ihr Baby die Brust konsequent ablehnt und zu wenig trinkt, sollten Sie dies immer mit Ihrer Hebamme oder einer Stillberaterin besprechen, um die genaue Ursache zu finden.

0