Kann Wundschutzcreme auf offenen, blutenden Wunden angewendet werden?

Bearbeiten
Löschen

Nein, herkömmliche Wundschutzcreme (wie man sie oft für den Windelbereich oder bei Hautrötungen verwendet) sollte in der Regel nicht auf offene, blutende Wunden aufgetragen werden.

Hier sind die Gründe und die richtige Vorgehensweise:

Warum keine Wundschutzcreme auf offene Wunden?

  1. Verschluss der Wunde (Okklusion): Wundschutzcremes (oft auf Zinkoxid-Basis) sind sehr fetthaltig und zäh. Sie bilden eine Barriere, die die Haut vor Feuchtigkeit von außen schützen soll. Auf einer offenen Wunde verhindert dieser dichte Film jedoch, dass Wundsekret abfließen kann. Das kann zu einem Wärmestau führen und das Bakterienwachstum fördern.
  2. Infektionsgefahr: Die Creme ist meist nicht steril. Wenn Partikel der Creme tief in die offene Wunde gelangen, können sie Entzündungen hervorrufen oder die Wundheilung verzögern.
  3. Schwierige Reinigung: Wenn die Creme einmal in der Wunde klebt, ist sie schwer zu entfernen, ohne die frische Wunde beim Reinigen erneut aufzureißen.

Was ist der Unterschied zur "Wund- und Heilsalbe"?

Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen einer Wundschutzcreme (Barrierefunktion) und einer medizinischen Wund- und Heilsalbe (z. B. mit dem Wirkstoff Panthenol):

  • Wundschutzcreme: Vorbeugend gegen Nässe und Reibung (z. B. wunder Po).
  • Wund- und Heilsalbe: Unterstützt die Zellneubildung, wird aber meist erst angewendet, wenn die Wunde nicht mehr stark blutet oder bereits leicht verschorft ist.

Die richtige Versorgung einer blutenden Wunde:

  1. Blutung stoppen: Mit einer sterilen Kompresse oder einem sauberen Tuch leichten Druck ausüben.
  2. Reinigen & Desinfizieren: Die Wunde mit klarem Wasser oder Kochsalzlösung spülen und mit einem Wunddesinfektionsspray (alkoholfrei, brennt nicht) einsprühen.
  3. Schützen: Ein Pflaster oder ein steriler Verband schützt die Wunde vor Schmutz.
  4. Heilung unterstützen: Erst wenn die Wunde geschlossen ist oder nur noch oberflächlich abgeschürft (und nicht mehr stark nässend), kann eine dünne Schicht Wund- und Heilsalbe (z. B. Bepanthen) helfen.

Wann zum Arzt?

  • Wenn die Wunde sehr tief ist oder stark klafft.
  • Wenn die Blutung nicht nachlässt.
  • Bei stark verschmutzten Wunden (Gefahr von Tetanus – Impfschutz prüfen!).
  • Wenn Anzeichen einer Infektion auftreten (starke Rötung, Pochen, Eiter, Fieber).

Zusammenfassend: Wundschutzcreme ist für den Schutz intakter oder nur leicht gereizter Haut gedacht, nicht für die Behandlung von frischen, offenen Verletzungen.