Kann man neuen Fliesenkleber direkt auf alte Fliesenbeläge auftragen?

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Ja, das ist grundsätzlich möglich und wird in der Fachsprache oft als „Fliese auf Fliese“ bezeichnet. Es ist eine beliebte Methode bei Renovierungen, da man sich das mühsame Abschlagen der alten Fliesen und den damit verbundenen Bauschutt erspart.

Damit das Ergebnis aber dauerhaft hält und keine Risse entstehen, müssen vier wichtige Voraussetzungen erfüllt sein:

1. Die Prüfung des Untergrunds (Klopftest)

Bevor Sie beginnen, müssen Sie sicherstellen, dass die alten Fliesen noch fest mit dem Untergrund verbunden sind.

  • Klopftest: Gehen Sie die Fläche ab und klopfen Sie jede Fliese einzeln ab.
  • Ergebnis: Klingen Fliesen hohl oder wackeln sie, müssen diese entfernt werden. Die entstandenen Löcher müssen Sie vorab mit einer Ausgleichsmasse oder Mörtel flächenbündig auffüllen.

2. Gründliche Reinigung

Alte Fliesen sind oft mit Fett (Küche), Seifenrückständen (Bad) oder Pflegemitteln (Boden) überzogen. Auf solchen Schichten haftet kein Kleber.

  • Reinigen Sie die Fliesen intensiv mit einem Anlauger oder Fettlöser (keine rückfettenden Reiniger verwenden!).
  • Spülen Sie danach mit klarem Wasser nach und lassen Sie die Fläche vollständig trocknen.

3. Die richtige Grundierung (Haftgrund)

Fliesen haben eine glatte, nicht saugende Oberfläche. Normaler Fliesenkleber würde darauf abrutschen oder nicht binden.

  • Sie benötigen einen speziellen Haftgrund für nicht saugende Untergründe (oft als „Spezialhaftgrund“ oder „Quarzgrund“ bezeichnet). Diese Grundierung enthält oft feinen Quarzsand, der die Oberfläche aufraut und dem neuen Kleber „Grip“ gibt.

4. Der richtige Kleber

Verwenden Sie unbedingt einen hochwertigen Flexkleber.

  • Da sich Fliesen bei Temperaturschwankungen minimal ausdehnen und zusammenziehen (besonders bei Fußbodenheizungen), muss der Kleber elastisch bleiben. Flexkleber kann diese Spannungen zwischen der alten und der neuen Fliesenschicht ausgleichen.

Was Sie noch beachten sollten (Nachteile/Risiken):

  • Aufbauhöhe: Durch die zweite Schicht Fliesen wird der Boden oder die Wand dicker (ca. 1 bis 1,5 cm mehr). Das bedeutet:
    • Türen müssen eventuell unten gekürzt werden.
    • Übergangsschienen zu anderen Räumen passen nicht mehr.
    • Armaturenanschlüsse in der Wand liegen tiefer (hierfür gibt es Hahnverlängerungen).
  • Gewicht: Bei Wandfliesen auf Trockenbauwänden (Rigips) muss geprüft werden, ob die Wand das doppelte Gewicht der Fliesen tragen kann.
  • Dehnungsfugen: Übernehmen Sie unbedingt die vorhandenen Dehnungsfugen des alten Belags in den neuen Belag, sonst entstehen Spannungsrisse.

Fazit: Wenn die alten Fliesen fest sitzen und Sie eine geeignete Grundierung sowie Flexkleber verwenden, ist das Verlegen von Fliese auf Fliese eine saubere und professionelle Lösung.