Ist das Eigengewicht der Kameratasche für lange Wanderungen zu hoch?

Melden

Ob das Eigengewicht einer Kameratasche für lange Wanderungen „zu hoch“ ist, hängt von mehreren Faktoren ab, aber die kurze Antwort lautet: Ja, das Eigengewicht wird oft unterschätzt und kann bei Touren über 10–15 km zum entscheidenden Belastungsfaktor werden.

Hier ist eine detaillierte Analyse, worauf du achten solltest:

1. Die Faustregel für das Gewicht

Ein guter Fotorucksack für Wanderungen sollte idealerweise nicht mehr als 1,5 bis 2 kg leer wiegen.

  • Leichte Modelle: Wiegen oft zwischen 800g und 1,3 kg.
  • Professionelle „Outdoor“-Rucksäcke: Liegen oft bei 2 kg bis 2,8 kg (wegen des dicken Polstermaterials und des stabilen Rahmens).
  • Kritischer Bereich: Wenn der Rucksack leer bereits über 2,5 kg wiegt, schleppst du das Äquivalent einer zusätzlichen Vollformat-Kamera inklusive Objektiv nur an „Stoff und Schaumstoff“ mit dir herum.

2. Warum das Eigengewicht bei Wanderungen tückisch ist

Auf einer 2-stündigen Fototour im Park spielt das Gewicht kaum eine Rolle. Auf einer 6- bis 8-stündigen Bergwanderung gilt jedoch:

  • Erschöpfung: Jedes Kilogramm zusätzlich verbraucht mehr Energie und führt zu schnellerer Ermüdung der Muskulatur.
  • Hebelwirkung: Kamera-Rucksäcke sind oft tief gebaut. Wenn das Eigengewicht (durch schwere Polsterung) den Schwerpunkt nach hinten zieht, belastet das deine Schultern und den unteren Rücken überproportional.

3. Schutz vs. Gewicht (Der Kompromiss)

Ein hohes Eigengewicht kommt meist durch:

  • Dicke Polsterung: Schützt das Equipment bei Stürzen, wiegt aber viel.
  • Tragesystem: Ein massives Rückenteil mit Metallrahmen und dicken Hüftgurten wiegt mehr, verteilt die Last aber besser.
  • Material: Robustes 1000D Nylon oder Leder ist schwerer als leichtes Ripstop-Gewebe.

4. Die bessere Alternative für lange Wanderungen: Das ICU-System

Viele erfahrene Wanderfotografen nutzen keine reinen Kamerataschen mehr, sondern:

  1. Einen echten Wanderrucksack (z. B. von Osprey, Deuter, Gregory). Diese haben deutlich bessere Tragesysteme als 90 % aller Kamerataschen.
  2. Ein ICU (Internal Camera Unit): Das ist ein kleiner, gepolsterter Einsatz für die Kamera, der in den Wanderrucksack geschoben wird.

Vorteil: Ein Wanderrucksack (ca. 1,2 kg) + ein leichtes ICU (ca. 400g) ist oft leichter und ergonomischer als ein spezieller Fotorucksack (2,5 kg).

5. Checkliste für deine Entscheidung

Wenn du bereits eine Tasche im Auge hast, prüfe diese Punkte:

  • Wie viel Prozent des Gesamtgewichts macht die Tasche aus? Wenn deine Ausrüstung 4 kg wiegt und die Tasche 2,5 kg, besteht fast 40 % deines Gepäcks nur aus der Verpackung. Das ist zu viel.
  • Hat sie einen echten Hüftgurt? Bei langen Wanderungen muss das Gewicht auf die Hüfte, nicht auf die Schultern. Ein dünner Riemen reicht nicht aus.
  • Wetterfestigkeit: Brauchst du eine schwere, fest verbaute Regenhülle oder reicht ein leichtes Raincover?

Fazit

Für lange Wanderungen ist ein Eigengewicht von über 2 kg kritisch zu hinterfragen. Wenn du mehr als 10-15 km wanderst, zählt jedes Gramm. Suche nach Rucksäcken, die ein geringes Eigengewicht mit einem exzellenten Tragesystem kombinieren (z.B. Marken wie Shimoda, F-Stop oder eben die Kombination aus Wanderrucksack + Kamera-Einsatz).

Tipp: Wiege deine aktuelle Ausrüstung einmal komplett (Kamera, Objektive, Stativ, Wasser, Verpflegung). Wenn das Gesamtgewicht über 8–10 kg steigt, ist das Tragesystem wichtiger als das reine Eigengewicht der Tasche.