Ist Apfelsaft aus Konzentrat weniger gesund oder qualitativ minderwertiger als sogenannter Direktsaft?
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Die kurze Antwort lautet: Gesundheitlich gibt es kaum nennenswerte Unterschiede, qualitativ hingegen schon.
Beide Saftarten bestehen zu 100 % aus Frucht (laut Gesetz darf in Deutschland keinem Fruchtsaft Zucker zugesetzt werden). Dennoch gibt es feine Unterschiede in Herstellung, Geschmack und Nährstoffgehalt.
Hier ist der detaillierte Vergleich:
1. Die Herstellung
- Direktsaft: Die Äpfel werden gepresst, der Saft wird gefiltert (oder bleibt naturtrüb), kurz zur Haltbarmachung erhitzt (pasteurisiert) und abgefüllt.
- Saft aus Konzentrat: Nach dem Pressen wird dem Saft unter Vakuum bei niedrigen Temperaturen das Wasser entzogen. Dabei werden auch die flüchtigen Aromen getrennt und separat gelagert. Das Konzentrat hat nur noch etwa 1/6 des ursprünglichen Volumens, was den Transport (oft aus dem Ausland) billiger macht. Später werden Wasser und das fruchteigene Aroma wieder hinzugefügt.
2. Die gesundheitlichen Aspekte
In puncto Kalorien und Zuckergehalt sind beide Säfte praktisch identisch. Beide enthalten etwa 10–11 Gramm fruchteigenen Zucker pro 100 ml.
- Vitamine: Durch das zweimalige Erhitzen beim Konzentrat (einmal beim Eindampfen, einmal beim Abfüllen) können hitzeempfindliche Vitamine wie Vitamin C etwas stärker reduziert werden als beim Direktsaft. Da Apfelsaft aber ohnehin kein Hauptlieferant für Vitamin C ist (anders als Orangensaft), fällt dies kaum ins Gewicht.
- Sekundäre Pflanzenstoffe: Diese (wie Polyphenole) sind wichtig für die antioxidative Wirkung. Hier liegt der Unterschied weniger zwischen Direktsaft und Konzentrat, sondern zwischen klar und naturtrüb. Naturtrüber Direktsaft enthält bis zu fünfmal mehr dieser gesunden Stoffe als klar gefilterter Saft (egal ob Direktsaft oder Konzentrat).
3. Qualität und Geschmack
Hier punktet meist der Direktsaft:
- Geschmack: Direktsaft schmeckt oft komplexer und "echter". Bei Konzentrat werden die Aromen technisch wieder beigemischt. Das Ergebnis ist ein sehr standardisierter Geschmack, dem die feinen Nuancen der jeweiligen Apfelernte fehlen.
- Herkunft: Bei Direktsaft stammen die Äpfel oft aus regionalem Anbau (z. B. Deutschland oder EU). Konzentrat wird oft als Weltmarktware gehandelt (häufig aus China, dem weltweit größten Apfelproduzenten), was lange Transportwege bedeutet.
4. Ökologie
- Konzentrat: Hat eine bessere CO2-Bilanz beim Transport, da nur 1/6 des Gewichts bewegt werden muss (vorausgesetzt, der Saft kommt von weit her).
- Direktsaft: Ist ökologisch sinnvoller, wenn er aus regionalen Äpfeln (z. B. von heimischen Streuobstwiesen) stammt, da die Transportwege kurz sind und die Biodiversität vor Ort gefördert wird.
Fazit: Was soll man kaufen?
- Die gesündeste Wahl: Naturtrüber Direktsaft. Er enthält die meisten Schwebstoffe und sekundären Pflanzenstoffe.
- Die Qualitätswahl: Direktsaft. Er ist meist aromatischer und weniger stark verarbeitet.
- Die Spar-Wahl: Konzentrat. Es ist günstiger und gesundheitlich nicht "schlecht" oder "künstlich", verliert aber durch die industrielle Aufarbeitung an geschmacklicher Tiefe.
Wichtig: Achten Sie darauf, dass "Apfelsaft" auf der Packung steht. Ein "Apfelnektar" oder "Apfelfruchtsaftgetränk" enthält deutlich weniger Fruchtanteil und dafür zugesetzten Zucker oder Wasser.