Inwiefern berücksichtigen moderne Programmzeitschriften mittlerweile auch Streaming-Anbieter?
Moderne Programmzeitschriften haben sich in den letzten Jahren massiv gewandelt. Da das klassische lineare Fernsehen (Free-TV) vor allem bei jüngeren und mittleren Zielgruppen an Bedeutung verloren hat, mussten die Verlage reagieren, um relevant zu bleiben.
Hier sind die wichtigsten Wege, wie Programmzeitschriften heute Streaming-Anbieter integrieren:
1. Eigene Rubriken und "Streaming-Planer"
Fast jede große Zeitschrift (wie TV Spielfilm, TV Movie oder Hörzu) hat mittlerweile feste Seiten für Streaming-Dienste.
- Monats-Highlights: Es gibt Doppelseiten, auf denen die wichtigsten Neustarts von Netflix, Disney+, Amazon Prime Video, Apple TV+ und Paramount+ für den kommenden Monat aufgelistet werden.
- Kategorisierung: Die Inhalte werden oft nach Genres (Krimi, Doku, Kinder, Serie) sortiert, genau wie früher die Spielfilme im Fernsehen.
2. Verschmelzung in der Film-Bewertung
Früher bezogen sich die Filmkritiken in den Zeitschriften nur auf das, was im TV lief. Heute:
- Verfügbarkeits-Icons: Bei der Besprechung eines Kinofilms oder eines Klassikers stehen oft kleine Logos (das rote "N" für Netflix, das blaue Prime-Logo etc.) dabei, um zu signalisieren: „Dieser Film läuft zwar heute nicht im TV, ist aber bei Anbieter X verfügbar.“
- Gleichwertigkeit: Streaming-Originals (z. B. ein neuer Scorsese-Film auf Netflix) werden genauso groß und prominent rezensiert wie Blockbuster, die ihre Free-TV-Premiere feiern.
3. Fokus auf Mediatheken
Da viele Zuschauer die öffentlich-rechtlichen Sender (ARD, ZDF) mittlerweile zeitversetzt nutzen, integrieren Zeitschriften verstärkt Tipps für die Mediatheken. Es wird gezielt darauf hingewiesen, welche Schätze (Dokus oder Serien wie „Babylon Berlin“) dort exklusiv oder vorab abrufbar sind.
4. Sonderhefte und Ableger
Einige Verlage haben das Thema Streaming so groß aufgezogen, dass sie eigene Magazine dafür gegründet haben:
- TV Digital war ein Vorreiter und bietet spezielle Ausgaben an, die stark auf Streaming-Nutzer und Sky-Abonnenten zugeschnitten sind.
- Es gibt reine Streaming-Magazine (z. B. Streaming von TV Spielfilm), die gar kein klassisches Tagesprogramm mehr abdrucken, sondern nur noch Kataloge und Empfehlungen für VoD-Dienste (Video-on-Demand) enthalten.
5. Kuratierung als neue Kernkompetenz („Die Qual der Wahl“)
Das größte Problem beim Streaming ist das Überangebot (Choice Overload). Programmzeitschriften positionieren sich hier als Navigationshilfe:
- Anstatt nur aufzulisten, was läuft, wählen Redakteure die „Top 10 Serien des Monats“ aus.
- Sie bieten Orientierung im Dschungel der Anbieter (Preise, Abomodelle, technische Voraussetzungen).
6. Interaktive Schnittstellen (QR-Codes)
Viele gedruckte Zeitschriften nutzen mittlerweile QR-Codes. Scannt man diese mit dem Smartphone, gelangt man direkt zum Trailer der Serie oder – im Falle von Smart-TV-Integrationen – direkt zur App des Streaming-Anbieters, um den Film zu starten.
Warum machen sie das?
- Überlebensstrategie: Die Auflage klassischer Programmzeitschriften sinkt. Um für Werbekunden und Leser attraktiv zu bleiben, müssen sie die reale Mediennutzung abbilden – und die ist heute hybrid (TV + Streaming).
- Zielgruppenerweiterung: Man versucht, die „Cord-Cutter“ (Leute, die ihren Kabelanschluss gekündigt haben) als Leser zurückzugewinnen, indem man ihnen zeigt, was sich auf ihren Plattformen lohnt.
Fazit
Moderne Programmzeitschriften verstehen sich heute weniger als „Fahrplan für das lineare Fernsehen“ und mehr als ganzheitliche Entertainment-Guides. Streaming ist kein kleiner Zusatz mehr, sondern oft das Herzstück der Berichterstattung, da hier aktuell die qualitativ hochwertigsten und meistdiskutierten Inhalte (Exclusives) entstehen.