Hinterlässt das Kunststoffmaterial der Folie bei längerer Lagerung Abdrücke auf empfindlichen Oberflächen?
Ja, das ist ein bekanntes Problem. Bei längerer Lagerung können bestimmte Kunststofffolien tatsächlich bleibende Schäden oder Abdrücke auf empfindlichen Oberflächen hinterlassen.
Hier sind die Hauptgründe und worauf Sie achten sollten:
1. Weichmacherwanderung (Der häufigste Grund)
Viele flexible Folien (besonders aus PVC) enthalten Weichmacher (Phthalate), um sie geschmeidig zu halten. Diese Chemikalien sind nicht fest im Kunststoff gebunden, sondern können im Laufe der Zeit „auswandern“.
- Was passiert: Die Weichmacher dringen in die Oberfläche des gelagerten Gegenstands ein.
- Die Folge: Lacke können aufweichen, Oberflächen werden klebrig, verfärben sich oder es entstehen matte Stellen, die sich nicht mehr wegwischen lassen. Besonders gefährdet sind echtholzfurnierte Möbel, Nitrolacke (bei Musikinstrumenten), Leder und andere Kunststoffe.
2. Der „Ghosting“-Effekt (Druckstellen)
Selbst wenn keine Chemie im Spiel ist, kann der physische Kontakt problematisch sein.
- Was passiert: Durch minimalen Druck und Temperaturschwankungen schmiegt sich die Folie so eng an die Oberfläche an, dass die Luft komplett verdrängt wird (Adhäsion).
- Die Folge: Es entstehen glänzende oder matte Flecken, die wie „Schatten“ wirken. Bei lackierten Oberflächen kann es so aussehen, als wäre das Muster der Folie in den Lack eingeprägt worden.
3. Feuchtigkeitseinschluss
Kunststofffolien sind meist luft- und dampfundurchlässig.
- Was passiert: Restfeuchtigkeit zwischen Folie und Oberfläche kann nicht entweichen.
- Die Folge: Es kann zu Schimmelbildung, Trübungen im Lack (besonders bei Wasserlacken) oder bei Metallen zu Korrosion kommen.
Welche Oberflächen sind besonders empfindlich?
- Hochglanzoberflächen (Klavierlack, moderne Küchenfronten).
- Antiquitäten (Schellack- oder Wachspolituren).
- Echtes Leder (die Weichmacher können das Leder brüchig machen oder Flecken verursachen).
- Naturstein (unversiegelter Marmor kann Stoffe aus der Folie aufsaugen).
Wie kann man das verhindern?
- PE statt PVC: Verwenden Sie Folien aus Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP). Diese enthalten in der Regel keine Weichmacher und sind deutlich reaktionsträger als PVC.
- Zwischenlagen nutzen: Legen Sie säurefreies Seidenpapier, Baumwolltücher oder spezielles Vlies zwischen die Oberfläche und die Folie.
- Nicht zu fest einwickeln: Vermeiden Sie übermäßigen Druck, wie er z.B. durch straffe Stretchfolie entsteht.
- Klimatische Bedingungen: Lagern Sie die Gegenstände kühl und trocken. Hitze beschleunigt die chemischen Prozesse und die Weichmacherwanderung erheblich.
- Atmungsaktive Alternativen: Für Möbel oder Gemälde sind oft Tyvek-Hüllen oder einfache Baumwolllaken besser geeignet als reine Kunststofffolien.
Fazit: Wenn Sie wertvolle oder empfindliche Gegenstände über Monate oder Jahre lagern möchten, sollten Sie niemals Standard-Frischhaltefolie oder billige PVC-Baumarktplastikfolien direkt auf die Oberfläche bringen. Nutzen Sie stattdessen weichmacherfreie Materialien oder textile Zwischenlagen.