Gibt es wissenschaftliche Belege für die gesundheitliche Gefährdung Dritter durch das Passiv-Dampfen von E-Zigaretten?
Die wissenschaftliche Datenlage zum Passiv-Dampfen (Aerosolexposition durch Dritte) ist mittlerweile recht umfangreich. Zusammenfassend lässt sich sagen: Passiv-Dampfen ist deutlich weniger schädlich als Passiv-Rauchen von Tabakzigaretten, aber es ist nicht völlig risikofrei.
Hier sind die wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den gesundheitlichen Aspekten:
1. Inhaltsstoffe im Passiv-Aerosol
Anders als beim Tabakrauch entsteht beim E-Zigaretten-Konsum kein „Nebenstromrauch“ (der Rauch, der bei einer brennenden Zigarette zwischen den Zügen entsteht). Die Belastung für Dritte entsteht ausschließlich durch das exhalierte (ausgeatmete) Aerosol. Dieses enthält:
- Nikotin: Studien zeigen, dass Nikotin in der Raumluft nachweisbar ist und von Umstehenden aufgenommen werden kann (nachweisbar über Cotinin im Urin), allerdings in deutlich geringeren Mengen als beim Tabakrauch (etwa 1/10 der Menge).
- Feinstaub (PM2.5): Die Konzentration von ultrafeinen Partikeln steigt in Innenräumen durch Dampfen an. Diese Partikel können tief in die Lunge eindringen.
- Flüchtige organische Verbindungen (VOCs) und Metalle: Stoffe wie Formaldehyd, Acetaldehyd oder Metalle (Nickel, Chrom) wurden in der Ausatemluft gefunden, meist jedoch in Konzentrationen, die weit unter den Grenzwerten für die Luftqualität am Arbeitsplatz liegen.
2. Nachweisbare Aufnahme durch Dritte
Wissenschaftliche Untersuchungen (u.a. durch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und das DKFZ) haben gezeigt:
- Nichtdampfer, die sich in Räumen mit Dampfern aufhalten, weisen ähnliche Cotinin-Werte (Abbauprodukt von Nikotin) auf wie Menschen, die Passivrauch von Tabakzigaretten ausgesetzt sind, wenn auch auf einem niedrigeren Niveau.
- Es findet also eine systemische Aufnahme von Substanzen statt.
3. Gesundheitliche Auswirkungen
Ob diese Aufnahme zu akuten oder chronischen Krankheiten führt, ist noch nicht abschließend geklärt, da Langzeitstudien fehlen. Es gibt jedoch Hinweise auf:
- Reizungen: Das im Aerosol enthaltene Propylenglykol und Glycerin kann bei Umstehenden zu Reizungen der Augen und der Atemwege führen („trockener Hals“).
- Herz-Kreislauf-System: Einige Studien deuten darauf hin, dass die kurzfristige Exposition gegenüber E-Zigaretten-Aerosol die Gefäßfunktion beeinflussen kann, ähnlich wie bei Tabakrauch, wenn auch schwächer.
- Besondere Risikogruppen: Für Asthmatiker, Kinder, Schwangere und Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird die Belastung kritischer eingestuft, da ihre Atemwege empfindlicher auf die Partikel und das Nikotin reagieren.
4. Einschätzungen führender Organisationen
Die Bewertungen unterscheiden sich je nach Fokus der Institution:
- Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ): Das DKFZ warnt vor den Gefahren und betont, dass E-Zigaretten die Innenraumluft mit Schadstoffen belasten. Es empfiehlt, das Dampfen in Innenräumen genauso wie das Rauchen zu untersagen.
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Das BfR stellt fest, dass die gesundheitliche Gefährdung durch Passiv-Dampfen wesentlich geringer ist als durch Passiv-Rauch, eine gesundheitliche Beeinträchtigung empfindlicher Personen aber nicht ausgeschlossen werden kann.
- Public Health England (PHE): Die britische Gesundheitsbehörde ist deutlich liberaler und betont, dass bisher keine nennenswerten Gesundheitsrisiken für Umstehende wissenschaftlich belegt werden konnten, die ein Verbot in Innenräumen (aus rein gesundheitlicher Sicht) rechtfertigen würden.
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Die WHO rät zur Vorsicht und empfiehlt, Nichtraucher vor den Aerosolen zu schützen, da diese eben „kein harmloser Wasserdampf“ seien.
Fazit
Wissenschaftlich belegt ist:
- Keine Gleichstellung mit Wasserdampf: E-Zigaretten geben Chemikalien und Nikotin an die Umwelt ab.
- Geringeres Risiko als Tabak: Die Schadstoffkonzentration ist um den Faktor 10 bis 100 geringer als bei herkömmlichen Zigaretten.
- Vorsorgeprinzip: Da die Langzeitfolgen der Inhalation dieses spezifischen Partikel-Mixes noch nicht bekannt sind, raten Mediziner dazu, insbesondere in Gegenwart von Kindern und Kranken auf das Dampfen in geschlossenen Räumen zu verzichten.
Zusammenfassend: Eine akute „Vergiftung“ Dritter ist nicht zu befürchten, aber eine chronische Belastung der Atemwege und eine Nikotinaufnahme sind wissenschaftlich nachgewiesen.