Existiert bei modernen Lithium-Ionen-Akkus noch ein spürbarer Memory-Effekt?

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Die kurze Antwort lautet: Nein, bei modernen Lithium-Ionen-Akkus gibt es keinen spürbaren Memory-Effekt mehr.

Hier sind die Details, warum das so ist und was man stattdessen beachten sollte:

1. Der Ursprung des Mythos

Der klassische Memory-Effekt trat bei alten Nickel-Cadmium-Akkus (NiCd) und in geringerem Maße bei Nickel-Metallhydrid-Akkus (NiMH) auf. Wenn diese Akkus häufig nur teilentladen und dann wieder aufgeladen wurden, „merkten“ sie sich den Stand der Entladung. Die Spannung sank vorzeitig ab, und der Akku stellte scheinbar nur noch die Kapazität zur Verfügung, die beim letzten Mal genutzt wurde.

2. Die Situation bei Lithium-Ionen-Akkus (Li-Ion)

Lithium-Ionen-Akkus basieren auf einer völlig anderen Chemie.

  • Kein Kapazitätsverlust durch Teilentladung: Man kann sie jederzeit laden, egal ob sie bei 20 %, 50 % oder 80 % stehen. Das schadet der Kapazität nicht.
  • Wissenschaftliche Nuance: Forscher (unter anderem vom Paul Scherrer Institut) entdeckten zwar 2013 eine winzige Veränderung der Spannung im Millivolt-Bereich bei Lithium-Eisenphosphat-Zellen (einem speziellen Li-Ion-Typ), wenn diese immer exakt gleich teilgeladen wurden. Dieser Effekt ist jedoch so minimal, dass er im Alltag absolut keine Auswirkungen auf die Laufzeit oder die Lebensdauer hat.

3. Was dem Akku wirklich schadet (statt Memory-Effekt)

Während der Memory-Effekt kein Problem ist, gibt es andere Faktoren, die die Lebensdauer moderner Akkus verkürzen:

  • Tiefentladung: Das ist das gefährlichste für Li-Ion-Akkus. Wenn die Spannung unter einen kritischen Wert fällt, kann die Zelle chemisch instabil werden und dauerhaft Schaden nehmen.
  • Extreme Ladestände: Akkus fühlen sich am wohlsten, wenn sie zwischen 20 % und 80 % geladen sind. Wenn ein Akku permanent auf 100 % gehalten wird (z. B. Laptop dauerhaft am Netz) oder über längere Zeit bei 0 % liegt, altert er schneller.
  • Hitze: Hohe Temperaturen (über 35-40 °C) beschleunigen die chemische Zersetzung im Inneren massiv. Schnellladen bei großer Hitze ist besonders belastend.

4. Warum viele glauben, es gäbe ihn noch (Kalibrierung)

Manchmal scheint ein Smartphone oder Laptop plötzlich von 20 % auf 5 % zu springen. Das ist jedoch kein Memory-Effekt der Chemie, sondern ein Fehler der Lade-Elektronik. Die Software „verlernt“ mit der Zeit, wo genau die Grenzen des Akkus liegen.

  • Lösung: Den Akku einmal auf 100 % laden und dann (normal nutzen) fast leer werden lassen. Das kalibriert die Anzeige neu, verbessert aber nicht die physikalische Kapazität des Akkus selbst.

Fazit

Sie müssen Ihren Akku nicht leerlaufen lassen, bevor Sie ihn laden. Im Gegenteil: Kurze, flache Ladezyklen (z. B. von 40 % auf 80 %) sind für moderne Lithium-Ionen-Akkus sogar gesünder als ein kompletter Zyklus von 0 % auf 100 %.

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