Entstehen bei extremer Kälte Risse oder Brüche im Kunststoff der Wanne?
Ja, bei extremer Kälte können Risse oder Brüche in Kunststoffwannen entstehen. Ob und wann das passiert, hängt von verschiedenen Faktoren ab.
Hier sind die wichtigsten Gründe und Mechanismen:
1. Versprödung (Glasübergangstemperatur)
Jeder Kunststoff hat eine sogenannte Glasübergangstemperatur. Sinkt die Temperatur unter diesen Punkt, verliert das Material seine Flexibilität. Die Molekülketten können sich nicht mehr gegeneinander verschieben.
- Die Folge: Der Kunststoff wird hart und "gläsern". Während er bei Zimmertemperatur einen Stoß einfach abfedert, kann er bei extremer Kälte wie Glas zersplittern oder reißen.
2. Thermische Spannungen
Kunststoffe ziehen sich bei Kälte deutlich stärker zusammen als viele andere Materialien (z. B. Metallgestelle oder Beton, in die sie eingelassen sind).
- Die Folge: Wenn die Wanne fest montiert ist und sich nicht gleichmäßig zusammenziehen kann, entstehen interne Spannungen. Diese Spannungen können so groß werden, dass das Material reißt (Spannungsrisse).
3. Eisdruck (Die größte Gefahr)
Wenn sich noch Wasser in der Wanne befindet und dieses gefriert, dehnt es sich um ca. 9 % aus.
- Die Folge: Da der Kunststoff durch die Kälte bereits spröde ist, kann er dem enormen Druck des expandierenden Eises nicht nachgeben und platzt förmlich auf.
4. Materialunterschiede
Nicht jeder Kunststoff reagiert gleich:
- Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP): Diese werden häufig für Gartenwannen, Regentonnen oder Mörtelkübel verwendet. Sie sind relativ widerstandsfähig, werden aber bei zweistelligen Minusgraden ebenfalls sehr spröde.
- Sanitäracryl: Dieses Material (oft bei Badewannen oder Whirlpools verwendet) ist im Innenbereich stabil. Wenn es im Außenbereich ungeschützt extremer Kälte ausgesetzt wird, ist es besonders durch mechanische Einwirkungen (Schläge) gefährdet.
- Günstige Kunststoffe: Billige Kunststoffe enthalten oft Weichmacher, die mit der Zeit entweichen. Solche alten Wannen brechen im Winter viel schneller als neue, hochwertige Produkte.
Wie kann man Schäden verhindern?
- Vollständig entleeren: Das ist der wichtigste Schutz. Kein Wasser = kein Eisdruck.
- Mechanische Belastung vermeiden: Wenn es extrem kalt ist, sollte man die Wanne nicht bewegen, nicht dagegen stoßen und nichts Schweres hineinwerfen.
- Abdecken/Isolieren: Eine Plane schützt vor UV-Strahlung (die den Kunststoff zusätzlich schwächt) und extremes Durchfrieren kann durch Isolierung verzögert werden.
- Lagerung: Wenn möglich, sollten mobile Kunststoffwannen im Winter in einem frostfreien Raum (Keller, Garage) gelagert werden.
Fazit: Die Kälte allein führt selten zum Bruch, aber sie macht die Wanne extrem anfällig. Ein kleiner Stoß oder gefrierendes Restwasser reicht dann aus, um das Material zu zerstören.