Aus welchen Materialien werden Kompressen üblicherweise hergestellt?
Kompressen werden je nach Verwendungszweck (Wundreinigung, Polsterung, Sekretaufnahme oder feuchte Wundheilung) aus unterschiedlichen Materialien hergestellt. Man unterscheidet primär zwischen klassischen Geweben und modernen High-Tech-Stoffen.
Hier sind die gängigsten Materialien:
1. Baumwolle (Mullkompressen)
Die klassische Mullkompresse besteht aus gewebten Baumwollfäden (Verbandmull nach EN 14079).
- Eigenschaften: Sehr saugfähig, atmungsaktiv und weich.
- Nachteil: Sie neigen dazu, mit der Wunde zu verkleben, da die Gewebestruktur das Einwachsen von neuem Gewebe begünstigen kann. Deshalb werden sie oft nur zur Erstversorgung oder Reinigung verwendet.
2. Vliesstoffe (Vlieskompressen)
Vlieskompressen bestehen meist aus einer Mischung aus Viskose und Polyester.
- Eigenschaften: Sie sind deutlich weicher als Mull und fusseln kaum. Da sie keine Webstruktur haben, verhaken sie sich weniger stark mit der Wunde.
- Vorteil: Sie haben eine hohe Saugkapazität und sind kostengünstig.
3. Aluminium (Aluminisierte Kompressen)
Hierbei handelt es sich oft um Vlieskompressen, die einseitig mit einer hauchdünnen Schicht Aluminium bedampft sind (bekannt unter dem Markennamen Metalline).
- Eigenschaften: Die Aluminiumschicht sorgt dafür, dass die Kompresse nicht mit der Wunde verklebt.
- Einsatz: Besonders gut für Schürfwunden oder Brandwunden geeignet.
4. Superabsorber (Saugkompressen)
Diese bestehen im Kern aus Polyacrylat-Polymeren (ähnlich wie in Windeln), umhüllt von einem Vlies.
- Eigenschaften: Sie können ein Vielfaches ihres Eigengewichts an Flüssigkeit (Wundexsudat) aufnehmen und im Inneren binden, selbst unter Druck.
5. Alginate
Diese Spezialkompressen werden aus Braunalgen gewonnen (Calciumalginat-Fasern).
- Eigenschaften: Bei Kontakt mit Wundsekret wandeln sie sich in ein Gel um. Dies hält die Wunde feucht und reinigt sie aktiv.
- Einsatz: Bei tiefen, stark nässenden oder infizierten Wunden.
6. Hydrokolloide und Hydrogele
- Hydrokolloide: Bestehen meist aus einer selbsthaftenden Schicht mit Quellstoffen (wie Carboxymethylcellulose) und einer Deckschicht aus Polyurethan.
- Hydrogele: Bestehen zu einem großen Teil aus Wasser (bis zu 90 %) und Polymeren. Sie kühlen und halten die Wunde feucht.
7. Silikon (Silikonbeschichtete Kompressen)
Moderne Wundauflagen haben oft eine Beschichtung aus weichem Silikon.
- Eigenschaften: Sie haften sanft auf der trockenen Haut, aber nicht auf der feuchten Wunde. Dies ermöglicht einen schmerzfreien Verbandswechsel, ohne das neue Gewebe zu beschädigen.
8. Imprägnierte Materialien (Salbenkompressen)
Hierbei handelt es sich meist um weitmaschige Gaze (Baumwolle oder Polyester), die mit Paraffin, Vaseline oder Wirkstoffen (z. B. Jod oder Silber) getränkt ist. Sie dienen dazu, die Wunde geschmeidig zu halten und ein Verkleben zu verhindern.
Zusammenfassend: Für die einfache Hausapotheke sind Vlieskompressen meist die bessere Wahl als Mullkompressen, da sie weniger fusseln und seltener verkleben. Für Schürfwunden sind aluminisierte Kompressen ideal.