Ab welcher Restfeuchte gilt ein Estrich als belegreif für Bodenbeläge?
Die Belegreife eines Estrichs hängt entscheidend von der Art des Estrichs, der Art des geplanten Bodenbelags und der Frage ab, ob eine Fußbodenheizung vorhanden ist.
In Deutschland sind die Grenzwerte in der DIN 18560 festgelegt. Die Messung erfolgt üblicherweise mit der CM-Methode (Calciumcarbid-Verfahren).
Hier sind die wichtigsten Richtwerte (Angaben in CM-%):
1. Zementestrich (CT)
Zementestrich trocknet langsamer und ist weniger empfindlich gegenüber Restfeuchte als Calciumsulfatestrich, benötigt aber dennoch niedrige Werte, um Schäden am Belag zu vermeiden.
- Ohne Fußbodenheizung: $\le$ 2,0 CM-%
- Mit Fußbodenheizung: $\le$ 1,8 CM-%
2. Calciumsulfatestrich / Anhydritestrich (CA)
Dieser Estrich ist sehr feuchtigkeitsempfindlich. Zu viel Restfeuchte kann hier zu einer Zerstörung des Gefüges (Ettringitbildung) oder zum Ablösen des Belags führen.
- Ohne Fußbodenheizung: $\le$ 0,5 CM-%
- Mit Fußbodenheizung: $\le$ 0,3 CM-%
Zusammenfassung der Grenzwerte (Tabelle)
| Estrichart | Bodenbelag | Ohne Fußbodenheizung | Mit Fußbodenheizung |
|---|---|---|---|
| Zementestrich (CT) | Parkett, Laminat, PVC, Fliesen | 2,0 CM-% | 1,8 CM-% |
| Calciumsulfat (CA) | Parkett, Laminat, PVC, Fliesen | 0,5 CM-% | 0,3 CM-% |
Wichtige Besonderheiten und Ausnahmen
- Dampfdichte vs. dampfoffene Beläge:
- Bei dampfdichten Belägen (wie PVC, Linoleum oder Kautschuk) müssen die Werte strikt eingehalten werden, da die Feuchtigkeit nicht entweichen kann und Blasen bildet.
- Bei textilen, dampfdurchlässigen Belägen (Teppich) erlaubte man früher teils etwas höhere Werte (z.B. 2,5 % bei Zementestrich), heute wird jedoch meist generell die Einhaltung der oben genannten Werte empfohlen.
- Fliesenbeläge:
- Bei Zementestrichen und Fliesen wurde der Grenzwert oft mit 2,0 % angegeben. Bei großformatigen Fliesen oder einer Fußbodenheizung ist jedoch die Einhaltung von 1,8 % (bei Zement) dringend anzuraten.
- KRL-Methode (Korrespondierende Relative Luftfeuchte):
- Zunehmend wird neben der CM-Messung auch die KRL-Methode angewandt (Messung der Feuchtigkeit in der Porenluft des Estrichs). Ein Wert von < 75 % relativer Feuchte gilt hier oft als Indikator für Belegreife, ist aber in Deutschland rechtlich noch nicht der alleinige Standard wie die CM-Messung.
- Schnellestriche:
- Hier gelten die Herstellerangaben. Diese Estriche enthalten chemische Zusätze, die das Wasser schneller binden, sodass die Belegreife oft schon nach wenigen Tagen erreicht ist (unabhängig von den klassischen CM-Werten).
Wichtiger Hinweis: Die Messung muss fachgerecht durchgeführt werden (Entnahme aus dem unteren Drittel des Estrichquerschnitts). Für Bodenleger besteht eine Prüfpflicht. Sie müssen vor der Verlegung sicherstellen, dass der Estrich trocken genug ist, da sie sonst für spätere Schäden haftbar gemacht werden können.