Ab welcher Lautstärke (Dezibel) ist das Tragen von Gehörschutz am Arbeitsplatz in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben?

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In Deutschland ist das Tragen von Gehörschutz am Arbeitsplatz ab einem Tages-Lärmexpositionspegel von 85 Dezibel (dB(A)) gesetzlich vorgeschrieben.

Die genauen Regelungen finden sich in der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV). Dabei wird zwischen zwei sogenannten Auslösewerten unterschieden:

1. Unterer Auslösewert: Ab 80 dB(A)

  • Bereitstellungspflicht: Der Arbeitgeber muss geeigneten Gehörschutz zur Verfügung stellen.
  • Unterweisung: Die Mitarbeiter müssen über die Risiken von Lärm informiert und im Umgang mit Gehörschutz geschult werden.
  • Vorsorge: Der Arbeitgeber muss eine arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten (Angebotsvorsorge).
  • Tragepflicht: Es besteht noch keine gesetzliche Pflicht für den Arbeitnehmer, den Schutz zu tragen (es wird jedoch empfohlen).

2. Oberer Auslösewert: Ab 85 dB(A)

  • Tragepflicht: Das Tragen von Gehörschutz ist für alle Mitarbeiter verpflichtend.
  • Kennzeichnung: Der lärmintensive Bereich muss als „Lärmbereich“ gekennzeichnet sein (blaues Gebotszeichen mit Gehörschutz-Symbol).
  • Lärmminderungsplan: Der Arbeitgeber ist verpflichtet, ein Programm zur Verringerung der Lärmexposition aufzustellen (technische oder organisatorische Maßnahmen).
  • Vorsorge: Die Mitarbeiter müssen an einer arbeitsmedizinischen Vorsorge teilnehmen (Pflichtvorsorge).

Wichtig: Spitzen-Schalldruckpegel (Impulslärm)

Neben dem Durchschnittswert über 8 Stunden gibt es auch Grenzwerte für kurze, extrem laute Knalleffekte (Spitzen-Schalldruckpegel $L_{pC,peak}$):

  • Ab 135 dB(C): Bereitstellung von Gehörschutz.
  • Ab 137 dB(C): Tragepflicht von Gehörschutz.

Zusammenfassung der Verantwortlichkeiten

  • Arbeitgeber: Muss den Lärm messen, Schutzmittel bereitstellen und deren Nutzung überwachen.
  • Arbeitnehmer: Muss den bereitgestellten Gehörschutz ab 85 dB(A) bestimmungsgemäß verwenden.

Hinweis: In manchen Branchen oder Betrieben können durch Gefährdungsbeurteilungen auch strengere Regeln gelten, die das Tragen bereits bei niedrigeren Pegeln vorschreiben.