Wie konfiguriere ich Wine für 64-Bit-Programme?
- Einführung
- Was ist ein Wineprefix?
- Erstellen eines neuen 64-Bit-Wineprefix
- Wichtige Hinweise
- Installation von 64-Bit-Programmen
- Zusätzliche Konfigurationen
- Fazit
Einführung
Wine ist eine Kompatibilitätsschicht, die es ermöglicht, Windows-Programme unter Linux oder anderen Unix-ähnlichen Betriebssystemen auszuführen. Standardmäßig erstellt Wine ein 32-Bit-Wineprefix, was bedeutet, dass Programme in einer 32-Bit-Umgebung laufen. Möchten Sie jedoch 64-Bit-Windows-Anwendungen ausführen oder auch 64-Bit-Komponenten installieren, benötigen Sie ein 64-Bit-Wineprefix. In der folgenden Anleitung wird beschrieben, wie Sie Wine so konfigurieren, dass es 64-Bit unterstützt.
Was ist ein Wineprefix?
Ein Wineprefix ist ein Verzeichnis, das eine komplette Wine-Umgebung enthält, also eine Art virtueller Windows-Installation. Darin befinden sich die Windows-Programme, Bibliotheken, Registrierungsdaten und Einstellungen. Standardmäßig befindet sich der Wineprefix im Ordner ~/.wine. Für unterschiedliche Anwendungen kann man verschiedene Wineprefixe anlegen, was praktisch ist, um separate Umgebungen mit unterschiedlichen Einstellungen und Architekturen zu verwenden.
Erstellen eines neuen 64-Bit-Wineprefix
Um ein neues 64-Bit-Wineprefix anzulegen, müssen Sie zunächst sicherstellen, dass kein bestehender Prefix mit demselben Namen existiert oder, falls vorhanden, diesen löschen. Öffnen Sie dann ein Terminal und führen Sie den folgenden Befehl aus:
WINEPREFIX=~/wine64 WINEARCH=win64 winecfgHierbei ist WINEPREFIX=~/wine64 der Pfad zum neuen Wineprefix-Verzeichnis, welches Sie beliebig benennen können. Der Parameter WINEARCH=win64 weist Wine an, eine 64-Bit-Umgebung zu erstellen. Der Befehl winecfg startet die grafische Konfigurationsoberfläche von Wine und erstellt dabei den neuen Prefix mit den angegebenen Einstellungen.
Wichtige Hinweise
Das Setzen von WINEARCH=win64 ist nur beim erstmaligen Anlegen des Wineprefix gültig. Wenn Sie bereits ein Wineprefix an dem angegebenen Pfad haben, ändert das Setzen dieses Parameters die Architektur nicht nachträglich. Um sicherzugehen, dass Ihr Wineprefix 64-Bit ist, sollten Sie diesen löschen oder einen neuen Pfad verwenden. Außerdem können Sie nach der Erstellung in winecfg unter dem Reiter Bibliotheken oder durch Ausführung von wine winecfg und anderer Tools die Architektur prüfen.
Installation von 64-Bit-Programmen
Nachdem Ihr 64-Bit-Wineprefix eingerichtet ist, können Sie 64-Bit-Programme damit ausführen. Dazu verwenden Sie ebenfalls den Umgebungsvariablen-Befehl, zum Beispiel:
WINEPREFIX=~/wine64 wine setup64bit.exeDamit wird das 64-Bit-Installationsprogramm im 64-Bit-Prefix ausgeführt. Achten Sie darauf, bei allen Befehlen, die mit diesem Prefix arbeiten, die Umgebungsvariable WINEPREFIX mitzugeben, um Verwechslungen mit anderen Wineprefixen zu vermeiden.
Zusätzliche Konfigurationen
In manchen Fällen müssen zusätzliche Komponenten installiert oder Bibliotheken angepasst werden, zum Beispiel DirectX, .NET Framework oder Visual C++ Redistributables. Tools wie Winetricks können dabei helfen, diese Komponenten in das Wineprefix zu installieren. Nutzen Sie auch hierfür die Umgebungsvariable, z.B.:
WINEPREFIX=~/wine64 winetricksSo stellen Sie sicher, dass alle speziellen Abhängigkeiten für 64-Bit-Programme korrekt behandelt werden.
Fazit
Die Konfiguration von Wine für 64-Bit-Programme besteht im Wesentlichen darin, ein neues Wineprefix mit der Architektur win64 zu erstellen. Dieses Vorgehen sichert ab, dass Windows-Programme in einer geeigneten Umgebung laufen, und eröffnet Ihnen die Möglichkeit, sowohl 64-Bit-Windowsanwendungen als auch typische 32-Bit-Programme auszuführen. Denken Sie daran, bei jedem Aufruf den korrekten WINEPREFIX zu verwenden und je nach Bedarf zusätzliche Bibliotheken und Frameworks zu installieren.
