Wie erklärt Stephen Krashen den Prozess des Spracherwerbs?
- Einführung in Krashens Theorie des Spracherwerbs
- Die fünf Hypothesen von Krashen
- Bedeutung für den Sprachunterricht
- Fazit
Einführung in Krashens Theorie des Spracherwerbs
Stephen Krashen, ein amerikanischer Linguist und Pädagoge, hat mit seinen Theorien das moderne Sprachlernen maßgeblich beeinflusst. Seine Arbeiten konzentrieren sich insbesondere auf den Unterschied zwischen Spracherwerb und Sprachunterricht. Krashen betont, dass das natürliche Erwerben einer Sprache (Spracherwerb) gegenüber dem bewussten Lernen (Sprachunterricht) einen zentralen Stellenwert einnimmt. Laut ihm gelingt effektiver Spracherwerb vor allem durch Verstehen der Sprache in einem für den Lernenden sinnvollen Kontext.
Die fünf Hypothesen von Krashen
Krashen stellte fünf wesentliche Hypothesen auf, die sein Modell des Spracherwerbs erklären. Die erste Hypothese, die Erwerb-Lernen-Hypothese, unterscheidet zwischen Erwerb – einem unbewussten Prozess, der natürlich in einer Sprachumgebung stattfindet – und Lernen, das bewusste Studieren von Grammatikregeln. Für den erfolgreichen Spracherwerb ist laut Krashen das unbewusste Erwerben der Sprache entscheidend.
Eine weitere zentrale Hypothese ist die Input-Hypothese. Sie besagt, dass Lernende sich am besten weiterentwickeln, wenn sie sprachliche Äußerungen verstehen, die etwas über ihrem aktuellen Niveau liegen. Dieses Eingabe-Level bezeichnet Krashen als i+1. Hierbei steht i für das aktuelle Sprachniveau, und +1 für neue, leicht anspruchsvollere Inhalte, die genügend Herausforderung bieten, aber nicht überfordern.
Die dritte Hypothese, die Monitor-Hypothese, beschreibt die Rolle des bewussten Lernens als eine Art Monitor. Das Erlernte kann als Korrekturmechanismus genutzt werden, allerdings nur, wenn genügend Zeit, Aufmerksamkeit und Wissen über Regeln vorhanden sind. Dies bedeutet, dass theoretisches Wissen zwar hilfreich ist, aber im natürlichen Sprachfluss nicht immer einsetzbar ist.
Die Natural Order Hypothese besagt, dass Sprachstrukturen in einer natürlichen Reihenfolge gelernt werden, die unabhängig vom Unterrichtsstil oder der Muttersprache des Lernenden verläuft. Beispielsweise werden einige grundlegende Grammatikformen wie die Vergangenheitszeiten zuerst verstanden, während komplexere Strukturen später folgen.
Schließlich thematisiert die Affektive Filter Hypothese die emotionale Komponente im Spracherwerb. Negative Gefühle wie Angst, Stress oder geringe Motivation wirken wie ein Filter, der das Verstehen und Benutzen der neuen Sprache blockiert oder erschwert. Ein positives Lernumfeld hingegen senkt diesen Filter und ermöglicht leichteren Zugang zum Spracherwerb.
Bedeutung für den Sprachunterricht
Krashens Theorien haben weitreichende Konsequenzen für den Sprachunterricht und die Gestaltung von Lernumgebungen. Statt Fokus auf reine Grammatikregeln oder intensives Vokabelpauken zu legen, sollte der Unterricht authentische und verständliche Kommunikation fördern. Lernende profitieren demnach von einer Umgebung, in der sie sich sicher fühlen und in der sie ständig mit leicht über ihrem Niveau liegendem Sprachmaterial in Berührung kommen.
Der Einsatz von reichhaltigem, verständlichem Input – zum Beispiel durch Geschichten, Gespräche, Filme oder Hörmaterial – steht im Vordergrund. Eine stressfreie Atmosphäre mit positiver Lernmotivation wirkt sich laut Krashen besonders förderlich auf den Spracherwerb aus.
Fazit
Stephen Krashens Theorien zum Spracherwerb stellen eine wichtige Grundlage für moderne Sprachdidaktik dar. Er unterscheidet klar zwischen dem natürlichen Erwerb und dem bewussten Lernen von Sprachen und betont den Wert von verständlichem Input sowie emotionalem Wohlbefinden. Für effektives Sprachlernen ist es demnach entscheidend, eine lernfreundliche Umgebung zu schaffen, in der man die neue Sprache möglichst unbewusst und ganzheitlich erfassen kann.
