Was bedeutet "Reverse Coding X" und wie wird es angewendet?

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  1. Einführung in Reverse Coding
  2. Warum wird Reverse Coding angewendet?
  3. Wie funktioniert Reverse Coding konkret?
  4. Beispielhafte Anwendung im Forschungsprozess
  5. Fazit

Einführung in Reverse Coding

Reverse Coding bezeichnet in der Datenverarbeitung und insbesondere in der Umfrageforschung eine Methode, bei der die Werte einer Variablen oder eines Items so umgewandelt werden, dass ihre Bewertung in entgegengesetzter Richtung interpretiert wird. Dies ist oft notwendig, wenn in einem Fragebogen verschiedene Aussagen unterschiedlich formuliert sind – einige positiv und andere negativ – und die Antworten vergleichbar gemacht werden sollen. Beim Reverse Coding wird also der Wertebereich invertiert, damit eine höhere Zahl nicht mehr den ursprünglich positiven, sondern den negativen Zustand widerspiegelt oder umgekehrt.

Warum wird Reverse Coding angewendet?

In vielen psychologischen oder sozialwissenschaftlichen Messinstrumenten finden sich Items, die in gegenläufiger Richtung formuliert sind. Beispielsweise kann ein Fragebogen zur Lebenszufriedenheit sowohl Aussagen wie Ich fühle mich häufig glücklich als auch Ich fühle mich oft traurig enthalten. Um die Ergebnisse zu aggregieren und einen Gesamtwert zu berechnen, müssen alle Items in dieselbe Richtung gewertet werden. Reverse Coding stellt sicher, dass Antworten auf negativ formulierte Fragen in Einklang mit positiv formulierten Items geraten und somit eine korrekte Bewertung der zugrundeliegenden Messgröße möglich ist.

Wie funktioniert Reverse Coding konkret?

Die konkrete Umsetzung von Reverse Coding hängt vom verwendeten Antwortformat ab. Bei einer Skala von 1 bis 5 (wobei 1 stimme gar nicht zu und 5 stimme voll zu bedeutet) wird der Wert so umgewandelt, dass aus einem 1 ein 5 wird, aus einem 2 ein 4 wird, aus einem 3 bleibt 3, usw. Mathematisch lässt sich dies durch die Formel neuer Wert = höchster Wert + niedrigster Wert – ursprünglicher Wert ausdrücken. Der so errechnete Wert spiegelt dann die umgekehrte Intention des ursprünglichen Items wider.

Beispielhafte Anwendung im Forschungsprozess

Angenommen, man verwendet einen Fragebogen zur Bestimmung von Stress, der sowohl Items wie Ich fühle mich entspannt als auch Ich fühle mich überfordert beinhaltet. Das Item Ich fühle mich entspannt ist positiv formuliert und muss nicht geändert werden, das andere hingegen ist negativ. Um beide Items auf einer gemeinsamen Skala zu interpretieren, wird beim Item Ich fühle mich überfordert eine Reverse Coding durchgeführt, sodass hohe Werte eine geringe Stressbelastung signalisieren und somit mit dem entspannt-Item vergleichbar sind. Dies sorgt für eine sinnvolle Zusammenfassung der Itemwerte zu einem Gesamtstresswert.

Fazit

Reverse Coding ist ein essenzielles Werkzeug in der Datenaufbereitung, um konsistente und vergleichbare Werte aus unterschiedlich formulierten Items zu erhalten. Es gewährleistet, dass Messwerte richtig interpretiert und analysiert werden können, wobei die ursprüngliche Richtung der Frage umgekehrt wird. Durch diese Methode wird die Validität und Aussagekraft von Fragebogenanalysen deutlich erhöht.

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