Warum zeigt AIDA64 falsche oder unrealistische Spannungswerte an?

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  1. Einleitung
  2. Hardwarebedingte Ursachen
  3. Softwarebedingte Ursachen
  4. Spannungsschlankheit und Interpretationsgrenzen
  5. Fazit

Einleitung

AIDA64 ist ein leistungsfähiges Diagnose- und Überwachungstool, das detaillierte Informationen über Hardwarekomponenten und deren Status liefert. Dabei greift es auf verschiedene Sensoren zu, um etwa Spannungen, Temperaturen und Lüfterdrehzahlen auszulesen. Trotzdem berichten viele Nutzer, dass die angezeigten Spannungswerte oft falsch oder unrealistisch erscheinen. Dieses Phänomen hat unterschiedliche Ursachen, die sowohl in der Hardware als auch in der Software begründet liegen können.

Hardwarebedingte Ursachen

Moderne Mainboards und andere Hardwarekomponenten nutzen eine Vielzahl von Sensoren und Messpunkten zur Überwachung. Oft sind diese Sensoren auf bestimmte Spannungsleitungen spezialisiert, und deren Genauigkeit ist unterschiedlich. Manche Spannungsmessungen erfolgen beispielsweise direkt am VRM (Voltage Regulator Module) oder an bestimmten Pins des Chipsatzes – nicht unbedingt dort, wo der Prozessor die Spannung tatsächlich erhält. Daraus resultieren Abweichungen, da der Wert an der Messstelle nicht identisch mit dem Ist-Wert am Verbraucher ist. Außerdem verwenden Mainboard-Hersteller teilweise proprietäre Sensoren oder unterschiedliche Kalibrierungen, die von Drittanbieterprogrammen wie AIDA64 nicht vollständig ausgelesen oder interpretiert werden können.

Ein weiterer Hardwarefaktor ist das sogenannte "Sensor-Design". Manche Sensoren sind als einfache Spannungsmesser konzipiert und liefern nur Näherungswerte oder sind nicht auf Hochpräzision ausgelegt. Auch die Signalübertragung vom Sensor zum Systemmonitor kann Störungen unterliegen, die Messwerte verfälschen.

Softwarebedingte Ursachen

AIDA64 ist zwar sehr umfangreich, doch es kann nur die Daten auslesen, die vom Mainboard und den Sensoren zur Verfügung gestellt werden. Die Software ist auf standardisierte Schnittstellen wie SMBus, I2C oder WMI angewiesen. Manche Hersteller verwenden jedoch abweichende oder proprietäre Protokolle, die nicht vollständig von AIDA64 unterstützt werden. Dies führt teilweise dazu, dass die Werte falsch interpretiert oder skaliert werden.

Zudem ist die Sensorliste von AIDA64 vorgegeben und wird regelmäßig aktualisiert, um neue Hardware zu unterstützen. Doch bei sehr neuen oder exotischen Mainboard-Modellen kann es sein, dass noch keine korrekten Sensor-Definitionen vorliegen. Die Software versucht dann, anhand allgemeiner Daten zu arbeiten, was zu unrealistischen Spannungsanzeigen führt.

Spannungsschlankheit und Interpretationsgrenzen

Es ist wichtig zu verstehen, dass die angezeigten Spannungswerte oftmals Rohdaten sind, die erst von der Software kalibriert oder an die jeweiligen Hardware-Gegebenheiten angepasst werden müssen. Fehlt diese Kalibrierung oder erfolgt sie ungenau, erscheinen die Werte falsch. Darüber hinaus können sich Spannungen unter Last schnell und kurzzeitig ändern, sodass AIDA64 je nach Abfrageintervall Momentaufnahmen anzeigt, die nicht repräsentativ sind.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass falsche oder unrealistische Spannungswerte in AIDA64 zumeist auf die Kombination aus Hardware-Einschränkungen, fehlenden oder unvollständigen Sensorunterstützungen und softwareseitigen Interpretationsproblemen zurückzuführen sind. Anwender sollten daher nicht alle angezeigten Spannungen als absolut präzise betrachten, sondern bestenfalls mit anderen Tools vergleichen oder direkt mit dem BIOS/UEFI abgleichen. Für kritische Messungen und Einstellungen, beispielsweise beim Overclocking, empfiehlt es sich, externe Messgeräte wie Multimeter zu verwenden, um verlässliche Spannungswerte zu erhalten.

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