Wie funktioniert das Prinzip des Sperrwassers, das unangenehme Gerüche aus der Kanalisation zurückhält?

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Das Prinzip des Sperrwassers ist so einfach wie effektiv. Es wird in einem Bauteil genutzt, das man fachsprachlich Geruchsverschluss nennt – am bekanntesten ist der Siphon unter dem Waschbecken oder die charakteristische Form der Toilette.

Hier ist die schrittweise Erklärung, wie es funktioniert:

1. Die Bauform (Das U-Prinzip)

Ein Geruchsverschluss besteht aus einem Rohr, das eine Biegung nach unten macht (meist U-förmig oder S-förmig). Wenn Wasser durch das Rohr fließt, kann es aufgrund der Schwerkraft ungehindert abfließen.

2. Das Zurückbleiben des Wassers

Sobald man den Wasserhahn zudreht oder die Spülung beendet ist, bleibt aufgrund der Form des Rohres immer eine gewisse Menge Wasser im untersten Bogen stehen. Dieses Wasser fließt nicht ab, da es erst "über den Berg" (die darauffolgende Erhöhung im Rohr) gedrückt werden müsste.

3. Die Barriere (Der Luftabschluss)

Dieses stehengebliebene Wasser nennt man Sperrwasser. Es füllt den gesamten Querschnitt des Rohres an der tiefsten Stelle vollständig aus.

  • Von der Raumseite her: Die Luft im Zimmer drückt auf die Wasseroberfläche.
  • Von der Kanalseite her: Die Gase und Gerüche aus der Kanalisation drücken von der anderen Seite gegen das Wasser.

Da Gase (Gerüche) leichter sind als Wasser, können sie die Wasserbarriere nicht einfach durchdringen. Das Wasser fungiert also wie ein luftdichter Pfropfen oder eine unsichtbare Tür, die Flüssigkeiten durchlässt, aber Gase stoppt.

4. Erneuerung des Siegels

Jedes Mal, wenn neues Wasser benutzt wird (Händewaschen, Spülen), wird das "alte" Sperrwasser in die Kanalisation gedrückt und durch frisches, sauberes Wasser ersetzt. So bleibt der Verschluss hygienisch.


Warum riecht es manchmal trotzdem?

Es gibt drei Hauptgründe, warum das Prinzip des Sperrwassers versagen kann:

  1. Austrocknung (Verdunsten): Wenn ein Abfluss lange nicht benutzt wird (z. B. im Gäste-WC oder im Urlaub), verdunstet das Sperrwasser. Sobald der Wasserspiegel so weit sinkt, dass ein Luftspalt entsteht, strömen die Kanalgase ungehindert in den Raum.
    • Lösung: Einfach kurz Wasser nachlaufen lassen.
  2. Leersaugen (Unterdruck): Wenn die Abwasserleitung im Haus nicht richtig belüftet ist, kann beim Abfließen großer Wassermengen (z. B. Toilettenspülung im Stockwerk darüber) ein Unterdruck entstehen. Dieser saugt das Sperrwasser aus dem Siphon wie mit einem Strohhalm heraus. Man hört dann oft ein typisches "Gluckern".
  3. Verschmutzung: Haare oder Flusen können im Siphon hängen bleiben und wie ein Docht wirken. Sie ziehen das Sperrwasser langsam über die Kante in Richtung Abflussrohr, bis der Wasserspiegel zu niedrig ist.

Zusammenfassung

Das Sperrwasser nutzt die Schwerkraft und die Tatsache, dass Gase eine Flüssigkeit nicht ohne Druck durchdringen können. Es ist eine mechanische Barriere aus Wasser, die unsere Wohnräume hygienisch von den Fäulnisgasen der Kanalisation trennt.